Drogen- und Menschenhändler aktiv bei Flüchtlingsschmuggel

4. Jänner 2017, 11:48
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EU-Polizeibehörde sieht stark wachsendes Geschäft für Kriminelle – Sorge um Sicherheit in Italiens Flüchtlingslagern

Berlin/Rom– Drogendealer und Menschenhändler betätigen sich nach Erkenntnissen der EU-Polizeibehörde Europol zunehmend auch im Schleppergeschäft mit Flüchtlingen. Dies sagte der Abteilungsleiter für Organisierte Kriminalität, Michael Rauschenbach, der Funke Mediengruppe. Die kriminellen Milieus würden sich genauso überschneiden wie die Routen, die sie für ihre Geschäfte nutzten.

Schlepper verlangen höhere Preise

Migrantenschmuggel etwa über das Mittelmeer sei für Kriminelle ein stark wachsendes Geschäft. Vor einem Jahr noch habe die Flucht aus einem afrikanischen Staat über das Mittelmeer bis nach Europa im Durchschnitt zwischen 3.000 und 5.000 Euro gekostet. "Inzwischen zahlen Migranten den gleichen Preis für nur eine Etappe dieser Flucht", sagte Rauschenbach.

Im Jahr 2016 hat Europol in Kooperation mit Polizisten aus den EU-Ländern nach eigenen Angaben 15.000 Tatverdächtige im Zusammenhang mit illegalen Schleusungen ermittelt.

Sorge um Sicherheit in Italiens Flüchtlingslagern

In Italien wächst indes die Sorge um die Sicherheit in Flüchtlingslagern, nachdem es am Montag zu Ausschreitungen in einem Erstaufnahmezentrum für Flüchtlinge bei Venedig gekommen ist. Zur Entlastung des Flüchtlingslagers in Cona nahe Venedig wurden am Dienstagabend Hundert Migranten in eine andere Einrichtung in der Region Emilia Romagna geführt.

Damit soll die Flüchtlingseinrichtung in Cona, die circa 1.400 Menschen beherbergt, entlastet werden. Nach dem Tod einer jungen Frau aus Cote d Ivoire randalierten Asylwerber am Montagabend und setzten Holzpaletten in Brand. 25 Mitarbeiter der Einrichtung verbarrikadierten sich daraufhin im Büro und konnten erst nach Stunden befreit werden. Die 25-jährige Migrantin war tot in der Dusche aufgefunden worden. Sie erlag einer Thrombose, ergab die Obduktion. Die aufgebrachten Asylbewerber warfen den Betreibern der Unterkunft vor, dass der jungen Frau zu spät Hilfe geleistet worden sei. Die Rettungskräfte wiesen die Vorwürfe zurück.

Zu Spannungen kam es am Dienstag auch in Verona. Einige Asylsuchende demonstrierten wegen des angeblich prekären Zustands der Einrichtung, in der sie untergebracht sind. Sie klagten auch über die schlechte Qualität der Speisen. Während des Protests wurden einige Mülltonnen umgeworfen, eine Straße musste gesperrt werden. (APA, 4.1.2017)

  • Flüchtlinge warten vor Libyen auf die Rettung durch die maltesische NGO Moas und das italienische Rote Kreuz. Menschenschmuggler verlangen für die Fahrt über das Mittelmeer immer höhere Preise.
    foto: afp photo / andreas solaro

    Flüchtlinge warten vor Libyen auf die Rettung durch die maltesische NGO Moas und das italienische Rote Kreuz. Menschenschmuggler verlangen für die Fahrt über das Mittelmeer immer höhere Preise.

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