Mehr Transparenz für kosovarische Universitäten

8. Jänner 2017, 11:45
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FH Campus Wien koordiniert die Einführung von einem neuen Finanzmanagement an drei Hochschulen im Kosovo

Pristhina/Wien – In diesem Fall steht "der Glaube" der Wissenschaft nicht entgegen: "Faith", ein Akronym für "Steigerung der finanziellen Autonomie und Rechenschaftspflicht an höheren öffentlichen Bildungseinrichtungen im Kosovo", gehört zum Tempus-EU-Programm, mit welchem Nicht-EU-Staaten durch Kooperationen mit Universitäten innerhalb der EU gefördert werden.

Im Kosovo wurden im Rahmen dieses Programms die Angestellten in der Verwaltung geschult und neue Computerprogramme in den Finanzabteilungen von drei Universitäten eingeführt. Die Modernisierung im Wert von 180.000 Euro wurde in den vergangenen drei Jahren an der Universität Hasan Prishtina in der kosovarischen Hauptstadt, in Peja an der Universität Haxhi Zeka und an der Hochschule Ukshin Hoti in Prizren umgesetzt.

Das neue Finanzmanagement an den kosovarischen Unis ist sicherlich nicht systemverändernd. Dazu müsste das schwer korrupte, hierarchisch organisierte und von intransparenten Interessen geleitete Hochschulwesen in dem jungen Staat von innen heraus reformiert werden. Dazu fehlt es aber an politischem Willen. Doch "Faith" ist trotzdem ein geeignetes Werkzeug, um Professionalität und Transparenz zu fördern und eigene Entscheidungsmöglichkeiten an Universitäten zu eröffnen.

Kosovarische öffentliche Unis haben Probleme damit, überhaupt darzustellen, wofür Geldmittel ausgegeben werden – es fehlt an einem umfassenden Informationssystem. Deshalb kam es auch immer wieder zu Engpässen: Die Ausgaben überstiegen das tatsächliche Budget.

Überblick über Finanzen

Mit der Software "Management von Budget und Finanzen", die kommendes Jahr erstmals benutzt wird und extra für die Bedingungen an den Universitäten entwickelt wurde, soll sich das nun ändern. Mit dem Computerprogramm können nun die Vorlagen für die Finanzgebarung und die Abwicklungsverfahren vereinheitlicht werden. Die Informationen über Ausgaben und Einnahmen laufen zusammen und können nun gleichzeitig abgerufen werden. Dadurch haben die Verwaltungsbeamten erstmals einen Überblick über die finanzielle Situation an der Uni. Man erhofft sich durch die neue Koordination mehr Effizienz und dadurch auch Möglichkeiten, zusätzliche Investitionen tätigen zu können.

Koordiniert wurde das Projekt von der Fachhochschule Campus Wien, die darauf verweist, das ihre Erfahrung als unabhängige, privatwirtschaftlich geführte Hochschule dem Unterfangen zugute kam. Die FH Campus Wien ist die größte akkreditierte Fachhochschule Österreichs. Österreichische Institutionen engagieren sich seit vielen Jahren das Hochschulwesen im Kosovo, der sich 2008 für unabhängig erklärt hatte. So unterstützte die österreichische Agentur für Entwicklungszusammenarbeit (ADA) etwa den Aufbau der Akkreditierungsagentur, die dafür Sorgen soll, dass auch die Privatunis gewisse Standards einhalten. Aber es wurden auch Bildungsprogramme gefördert, die die Relevanz für den Arbeitsmarkt steigern sollten.

Junges Land, wenig Arbeit

Die Hälfte der kosovarischen Bevölkerung ist jünger als 30 Jahre, die Arbeitslosigkeit liegt bei etwa 40 Prozent. Das Bildungswesen war ab den 1980er-Jahren von ethnischer Apartheid geprägt. Die Albaner wurden zunehmend von öffentlichen Schulen und Hochschulen ausgeschlossen und bauten parallele Verwaltungs- und Bildungsinstitutionen auf. Diese parallelen Strukturen, die teils von Auslandsüberweisungen der Diaspora finanziert wurden, wurden erst nach dem Krieg 1999 wieder öffentlich.

In Südosteuropa ist Korruption im Bildungsbereich geradezu "normal", es gibt keinen gesellschaftlichen Konsens, dass es sich um unrechtmäßiges Verhalten handelt. Versuche, Kontrolle und Transparenz zu etablieren, stoßen auf enorme Widerstände und oft auf Unverständnis. (Adelheid Wölfl, 8.1.2017)

  • Die Bibliothek der Hasan-Prishtina-Universität in der kosovarischen Hauptstadt. Das Gebäude mit 99 Kuppeln wurde 1982 vom Architekten Andrija Mutnjakovic erbaut.
    foto: universität prishtina

    Die Bibliothek der Hasan-Prishtina-Universität in der kosovarischen Hauptstadt. Das Gebäude mit 99 Kuppeln wurde 1982 vom Architekten Andrija Mutnjakovic erbaut.

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