Brexit, US-Wahl: Frankreichs "Le Parisien" verzichtet auf Umfragen

3. Jänner 2017, 16:12
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Zeitung zieht Konsequenzen aus den Fehleinschätzungen der Meinungsforscher

Paris – Nach den Fehleinschätzungen von Meinungsforschern beim Brexit und bei der US-Präsidentschaftswahl will die französische Tageszeitung "Le Parisien" vorerst keine Umfragen mehr in Auftrag geben. Während des laufenden Wahlkampfs zur französischen Präsidentschaftswahl im Frühjahr wolle die Zeitung eine "Pause" bei Umfragen einlegen, sagte Chefredakteur Stephane Albouy am Dienstag.

Die Zeitung wolle sich stattdessen auf Recherchen "vor Ort" konzentrieren. "Wir denken darüber bereits seit geraumer Zeit nach, unter anderem seit dem Brexit und dem Wahlsieg von Donald Trump", sagte Albouy der Nachrichtenagentur AFP. "Das ist keine Frage des Misstrauens gegenüber Meinungsforschern. Wir wollen während des Wahlkampfes eine andere Art des Arbeitens ausprobieren." Statt wie bei einem Pferderennen auf den Erstplatzierten zu starren, wolle die Zeitung sich mehr mit Hintergründen und Wahlprogrammen befassen.

Kein Sparprogramm

Den Medien werde vorgeworfen, "von der Realität abgeschnitten" zu sein, sagte Albouy. "Wir werden jetzt die Arbeit vor Ort bevorzugen." Es gehe nicht darum, mit dem Verzicht auf eigene Umfragen Geld zu sparen, versicherte der Chefredakteur: "Journalisten vor Ort einzusetzen ist viel teurer als Umfragen."

Die Zeitung, eine der meistgelesenen in Frankreich und Marktführer im Großraum Paris, behält sich aber die Möglichkeit offen, von anderen Medien in Auftrag gegebene Umfragen in ihre Berichterstattung zu integrieren.

Insbesondere nach Trumps überraschendem Wahlsieg in den USA war Medien und Meinungsforschern vorgeworfen worden, die Stimmung in der Bevölkerung vollkommen falsch eingeschätzt zu haben. In Frankreich werden im April und Mai Präsidentschaftswahlen abgehalten. (APA, AFP, 3.1.2017)

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