Zwei weitere Kraftwerke für eine Million E-Autos nötig

3. Jänner 2017, 15:33
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Noch sind Elektroautos ein Minderheitenprogramm. Nimmt ihr Anteil zu, bringt das neue Herausforderungen

Wien – Die heimische Regierung will bekanntlich der E-Mobilität auf die Sprünge helfen und hat dafür noch im Vorjahr ein Förderpaket im Umfang von 72 Millionen Euro geschnürt. 16.000 neue E-Autos sollen damit auf die Straße gebracht werden. Bisher sind die Elektroautos noch ein Minderheitenprogramm: Rund 286.000 Pkws wurden von Jänner bis November 2016 in Österreich neu zugelassen – davon hatten nur 1.546 einen reinen E-Motor, bis Jahresende summierten sich die neuen Stromer dann auf 3.600. Insgesamt fahren damit derzeit 8.500 Autos ausschließlich mit Strom, das sind 0,2 Prozent der Pkws. Im Jahr 2020 – so der Plan – sollen in Österreich immerhin schon 200.000 E-Autos auf den Straßen unterwegs sein.

Experten gehen davon aus, dass E-Mobilität in Sachen Antriebe die Standardtechnologie der Zukunft sein wird. Auch wenn die nächsten zwanzig Jahren eine Übergangszeit mit einem Mix aus Benzinern, Dieseln, Gas- und Elektroautos und in geringerem Ausmaß Brennstoffzellenautos darstellen dürften. Am Ende dieser Umbruchphase wird wahrscheinlich die Elektromobilität dominant sein. Womit auch der Strombedarf steigen wird. In welchem Ausmaß, darüber hat E-Control-Chef Andreas Eigenbauer schon nachgedacht, wie er am Dienstag im Ö1-"Mittagsjournal" sagte.

Zwei Zusatzkraftwerke

Würde von den 4,8 Millionen hierzulande zum Verkehr zugelassenen Autos eine Million mit Elektromotor fahren, also rund jedes fünfte Fahrzeug, dann würde das Land zwei zusätzliche Donaukraftwerke benötigen, so Eigenbauer im "Mittagsjournal". Er rechne mit rund 2.000 Kilowattstunden Stromverbrauch pro Jahr und Fahrzeug. Bei einer Million Fahrzeugen würden diese 2.000 Gigawattstunden verbrauchen, rechnete er vor. Ein "gutes" Donaukraftwerk wie die Freudenau liefere etwa 1.000 Gigawattstunden – beim heutigen Stand der Technik. Bei E-Autos werde sich zwar in Sachen Batterien noch einiges entwickeln, das ändere aber "nicht den Verbrauch, sondern die Reichweite". Die Bereitstellung des Stroms dürfte hierzulande auch funktionieren, so Eigenbauer.

Die Herausforderung liege darin, das Stromnetz auf eine solche Menge an E-Autos auszulegen. Denn angenommen, eine Trafostation versorge zehn Einfamilienhäuser – so sein Beispiel –, und eine der dort lebenden Familien habe ein E-Auto in Betrieb und hänge dieses in der Nacht in der Garage ans Stromnetz, dann sei das für das "jetzige Netz" kein Problem. Würde aber jedes der zehn Einfamilienhäuser ein E-Mobil in der Garage laden, drohe Überlastung. "Dann müsste man dort sehr rasch Umbaumaßnahmen treffen." Tatsächlich würde es eben davon abhängen, wie gleichmäßig sich der Bedarf verteile. (red, 3.1.2017)

  • Für viele neue E-Autos ist die Infrastruktur noch nicht gerüstet.
    foto: apa/dpa/jan woitas

    Für viele neue E-Autos ist die Infrastruktur noch nicht gerüstet.

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