Britischer EU-Botschafter tritt überraschend zurück

4. Jänner 2017, 06:40
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"Financial Times" berichtete von Ivan Rogers' Rücktritt – Kritik an Brexit-Vorbereitung

London – Der ständige Vertreter Großbritanniens bei der Europäischen Union, Sir Ivan Rogers, ist zurückgetreten. Die Zeitung "Financial Times" berichtete unter Berufung auf das Umfeld des Diplomaten, Rogers habe seine Mitarbeiter am Dienstag von dem Schritt unterrichtet.

Im Londoner Regierungsviertel sei "ernsthafte Erfahrung bei multilateralen Verhandlungen Mangelware", schrieb Rogers in einem Abschiedsschreiben an Mitarbeiter im UKRep-Büro, das London bei Verhandlungen mit der EU vertritt. Seine Kollegen forderte Rogers auf, sich nicht zu verbiegen und ihre Meinung zu vertreten, selbst wenn sie nicht willkommen sei. "Ich hoffe, ihr werdet damit fortfahren, gegen schlecht begründete Argumente und unklare Gedanken zu kämpfen und dass ihr nie Angst haben werdet, den Machthabenden die Wahrheit zu sagen."

Rogers hatte zuvor bereits für Aufsehen mit der Einschätzung gesorgt, die Verhandlungen über ein Abkommen Großbritanniens mit der EU zur Regelung des EU-Austritts könnten zehn Jahre dauern. Und selbst dann könne ein Abkommen noch an der Ratifizierung in einem der nationalen Parlamente scheitern, warnte Rogers. Das hatte ihm scharfe Kritik von Befürwortern eines klaren Bruchs mit Brüssel eingebracht.

"Keine gute Sache"

Der Vorsitzende des Brexit-Ausschusses im britischen Parlament, Hilary Benn (Labour), bezeichnete den Rücktritt des Diplomaten als "keine gute Sache". Rogers, der Großbritannien seit 2013 in Brüssel vertritt, gilt als profunder Kenner der EU. Er spielte eine wichtige Rolle bei den Verhandlungen des damaligen Premierministers David Cameron über Ausnahmeregelungen für das Land vor dem Brexit-Referendum.

Die Regierung müsse sich nun beeilen, einen Ersatz für Rogers zu finden, mahnte Benn. Die Brexit-Verhandlungen sollen beginnen, sobald London die förmliche Austrittserklärung verschickt hat. Das solle spätestens Ende März geschehen, hatte May angekündigt. Rogers hätte offiziell noch bis mindestens November im Amt bleiben sollen.

Die Briten hatten im vergangenen Jahr in einem historischen Referendum mit knapper Mehrheit den Austritt ihres Landes aus der EU beschlossen. (red, Reuters, 3.1.2017)

  • EU-Botschafter Ivan Rogers (rechts) mit dem Expremier David Cameron im Sommer 2016, kurz nachdem sich die Briten in einem Referendum für den Austritt aus der EU entschieden hatten.
    foto: reuters/francois lenoir

    EU-Botschafter Ivan Rogers (rechts) mit dem Expremier David Cameron im Sommer 2016, kurz nachdem sich die Briten in einem Referendum für den Austritt aus der EU entschieden hatten.

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