Das Los der Roten in der "ZiB 2": Bei der SPÖ – keiner zu Hause

3. Jänner 2017, 12:26
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Kein SP-Spitzenkader, "vom Vorsitzenden abwärts", wollte sich zum Zustand der Partei live befragen lassen

Der Weg durchs neue Jahr ist für die heimischen Parlamentsparteien mit guten Vorsätzen gepflastert. Die Sozialdemokratie hat sich zum Beispiel vorgenommen, 2017 das Fernsehpublikum mit dem Anblick ihrer Spitzenrepräsentanten möglichst zu verschonen. Vorerst. Bundeskanzler Christian Kern bastelt – dem Vernehmen nach – bereits an einer Erweckungsrede. Die soll kommende Woche das Land aus dem wohlverdienten Jännerschlaf rütteln.

Mit ihrem Prinzip televisionärer Enthaltsamkeit stößt die SPÖ die ZiB 2 -Konsumenten recht unsanft vor den Kopf. Ausgerechnet an seinem ersten Moderationstag im Jahr wurde Armin Wolf mit dem letzten Aufgebot abgespeist. Kein SP-Spitzenkader, "vom Vorsitzenden abwärts", wollte sich von ihm zum Zustand der Partei live befragen lassen. Also schlug die Stunde für Politprofessor Anton Pelinka. Dessen Analyse verpasste dem Nichts an Partei (keiner da!) das dazugehörige Sinnbild. "Zwischen den Stühlen" habe die einst stolze Arbeiterpartei Platz genommen. Es leuchtet ein, dass aus einer Lage mit so wenig Sitzkomfort nicht automatisch ein Blitzstart in das längst angebrochene Jahr erfolgen kann.

Irgendwie sei die SPÖ heute auch das, was sie nicht mehr ist. Die Arbeiter sind ihr abhandengekommen. Die Proletarier von gestern seien zu ängstlichen Kleinbürgern mutiert. Die neuen "bildungsorientierten, postmaterialistischen Schichten" aber pfeifen der alten Tante vorderhand was.

Dieses Jahr, schloss Pelinka einigermaßen messerscharf, wird mit Blick auf die Roten kein gutes sein. Jetzt muss es der Vorsitzende ("slim und fit") nächste Woche wieder richten. In seiner ganzen schmalen Pracht und Herrlichkeit. (Ronald Pohl, 3.1.2017)

  • Anton Pelinka bei Armin Wolf.
    foto: screenshot / orf tvthek

    Anton Pelinka bei Armin Wolf.

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