Putin fordert nach Todesfällen neues Alkoholgesetz

3. Jänner 2017, 11:47
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Präsident: Regierung soll Steuern auf Spirituosen senken

Zwanzig Liter Wodka trinkt der erwachsene männliche Durchschnittsrusse laut einer Studie von 2014 im Jahr. Da 2010 ein Mindestpreis von 190 Rubel (2,95 Euro) für einen Liter des beliebten Destillats vorgeschrieben wurde, können sich in Krisenzeiten allerdings viele keinen Trinkalkohol mehr leisten und greifen auf billigere Ersatzstoffe zurück.

Einer Fallstudie des russischen Gesundheitsministeriums zufolge geben 13 Prozent der Bevölkerung an, Alkoholersatzprodukte zu konsumieren. Besonders beliebt ist der Badezusatz Bojarischnik, der neben Zitronenöl und Weißdornextrakt bis zu 93 Prozent Ethanol enthält.

Im Gegensatz zu alkoholhaltigen Getränken, die nur von 8 bis 23 Uhr verkauft werden dürfen, ist Bojarischnik rund um die Uhr erhältlich, in der westrussischen Stadt Kaluga gibt es sogar Badeessenz-Automaten, um die Versorgung rund um die Uhr sicherzustellen.

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Für nur 20 Rubel kann man sich jederzeit ein Fläschchen der Mixtur, der auch eine herzstärkende Wirkung zugesagt wird, aus dem Automaten ziehen.

Nachdem Ende Jänner in Sibirien über 70 Bojarischnik-Trinker ums Leben gekommen waren, weil ihr Badezusatz giftigen Methylalkohol enthielt, wies Präsident Wladimir Putin die Regierung an, die Steuern auf Spirituosen zu senken. Bereits vor zwei Jahren hatte er die Rücknahme einer Erhöhung des Wodka-Mindestpreises auf 220 Rubel verfügt. Seitdem geht die Zahl der schweren Alkoholvergiftungen zurück, aber in den ersten neun Monates des Jahres 2016 waren es immer noch 36.000 Fälle landesweit, ein Viertel davon mit tödlichem Ausgang. (red, 3.1.2017)

  • Weihnachtliche Szene in der Moskauer U-Bahn.
    foto: ap/dmitry beliakov

    Weihnachtliche Szene in der Moskauer U-Bahn.

  • Prost!
    foto: apa/epa/yuri kochetkov/vk-fob

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