Kleiner Schwertwal beim Fischdiebstahl gefilmt

Video8. Jänner 2017, 09:00
1 Posting

US-Forscher studierten, wie sich die wenig bekannten Meeresräuber beim Beutemachen verhalten

San Diego – Zugegeben, allzuviel kann man als Laie in diesem azurenen Traum von einem Video nicht ausmachen, aber Experten sind dennoch entzückt: Zum ersten Mal ist es gelungen, einen Kleinen Schwertwal, der einen Köder von einer Langleine stibitzt, auf frischer Tat zu ertappen. Das gab einige Einblicke in sein Verhalten während des Beutezugs, was wiederum zu verbesserten Schutzmaßnahmen für diese vergleichsweise wenig bekannte Spezies führen könnte.

scripps oceanography

Der Kleine Schwertwal (Pseudorca crassidens) ist mit dem (Großen) Schwertwal oder Orca nicht unmittelbar verwandt. Die fünf bis sechs Meter langen Tiere sind schwarz gefärbt, schlank geformt und mit einem kräftigen Gebiss versehen. Sie leben in Schulen von einigen Dutzend Tieren und bevorzugen tiefe Gewässer, wo sie Jagd auf Fische, Kopffüßer und manchmal auch auf Meeressäuger machen. Da sie Hochseebewohner sind, weiß man von ihnen weniger als von anderen Mitgliedern der Delfinfamilie.

Konkurrenz zweier Fischjäger

Immer wieder in den Fokus gerückt wurde die weltweit verbreitete Spezies im Kontext der Langleinenfischerei. Bei dieser speziellen Form des industriellen Fischfangs werden Leinen ausgelegt, die über 100 Kilometer lang sein können und tausende mit Köderhaken versehene Nebenleinen tragen.

Diese Art des Fischfangs zielt nicht nur auf dieselbe Beute wie der Kleine Schwertwal ab – vor allem Thunfische –, sie überschneidet sich auch mit dessen bevorzugten Jagdgründen. Da die Wale gerne Fische von den Köderhaken stehlen, kam es immer wieder zu Konflikten mit Fischern und in Japan sogar zu lokalen Ausrottungskampagnen. Außerdem enden die Tiere oft als Beifang, wenn sie sich in den Leinen verheddern.

Die Untersuchung

US-Forscher haben sich daran gemacht, das Jagdverhalten dieser Wale genauer zu studieren. Vor der Küste von Hawaii, wo eine kleine und daher geschützte Population Kleiner Schwertwale lebt, brachten sie entlang von Langleinen Unterwasserkameras, akustische Aufnahmegeräte und Vibrationsdetektoren an. Über die dabei gewonnenen Erkenntnisse berichtet das Team um Aaron Thode von der Scripps Institution of Oceanography im "Journal of the Acoustical Society of America".

Es gelang den Forschern, mehrere Fälle von Fischdiebstahl in Bild und Ton festzuhalten. Dabei zeigte sich unter anderem, dass die Wale nicht nur gefangene Thunfische, sondern auch bereits die Köderfische von den Haken rupfen.

Mögliche Konsequenzen

Das für die Forscher wichtigste Einzelergebnis war, dass die Wale vor dem Zugriff auf einen an der Leine zappelnden Fisch charakteristische Klick- und Pfeiflaute ausstoßen. Anhand diese Laute könnten Fischer das Vorhandensein Kleiner Schwertwale vor Ort erkennen, noch bevor sie ihre Leinen auslegen, und ihren Fischzug umdirigieren, meint Thode – was aber eher nach einer vagen Hoffnung klingt.

Aussichtsreicher dürfte die Entwicklung von "Smart-Haken" sein, die Wale abschrecken: Das käme nicht nur ihnen selbst zugute, sondern auch den Fischern, die sich nicht mit unerwünschtem Beifang abplagen müssen. Für Haie, die ebenfalls oft als Beifang enden, wurden bereits Haken entwickelt, die die Meeresjäger mit irritierenden elektromagnetischen Signalen fernhalten sollen. Bei Walen könnte ein ähnliches System auf akustischer Basis entwickelt werden. (jdo, 8. 1. 2017)

  • Eine Kleine Schwertwalmutter mit ihrem Kalb.
    foto: robin baird/noaa

    Eine Kleine Schwertwalmutter mit ihrem Kalb.

Share if you care.