Schweden liefert Rechtsextremisten an Deutschland aus

2. Jänner 2017, 19:22
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"Lasermann" soll sich wegen Mordes in Frankfurt am Main verantworten

Stockholm/München – Schweden hat den Rechtsextremisten John Ausonius an Deutschland ausgeliefert, der wegen Mordes und mehrfachen Mordversuchs in Schweden seit 1992 inhaftiert war. Staatsanwalt Krister Pettersson sagte am Montag, die Auslieferung des 63-Jährigen sei kurz vor Jahresende erfolgt.

Ausonius soll sich wegen der Ermordung einer Frau in Frankfurt am Main vor 25 Jahren vor Gericht verantworten. Der 63-Jährige ist seit 1996 der Hauptverdächtige im Mordfall Blanka Zmigrod. Die 68-Jährige war am 23. Februar 1992 in Frankfurt durch einen Kopfschuss getötet worden.

Jüdin ermordet

Mehrere Zeugen sollen Ausonius als Täter identifiziert haben. Er soll das Opfer beschuldigt haben, ihm einige Tage zuvor seinen elektronischen Terminkalender entwendet zu haben. Ausonius bestreitet die Tat. Die Polizei vermutet, der Mord könne damit zusammenhängen, dass Zmigrod Jüdin war.

Ein Gericht in Södertorn südlich von Stockholm erklärte Mitte Dezember, sollte Ausonius in Deutschland verurteilt werden, müsse er die Strafe in Schweden verbüßen.

Festnahme 1992

Ausonius' Festnahme in Schweden erfolgte im Juni 1992. Er wurde später für schuldig befunden, zwischen August 1991 und Jänner 1992 in Schweden auf insgesamt elf Menschen mit Migrationshintergrund geschossen zu haben. Ein Opfer – ein Iraner – wurde getötet, die anderen überlebten schwer verletzt.

Ausonius benutzte in mehreren Fällen ein Gewehr mit Laser-Zielvorrichtung, was ihm in den schwedischen Medien die Bezeichnung "Lasermannen" (Lasermann) eintrug.

Das deutsche Bundesamt für Verfassungsschutz wies 2012 auf Parallelen zwischen der Neonazigruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) und dem Vorgehen des Serientäters Ausonius hin. Auch dieser hatte vorher keinen persönlichen Bezug zu den Opfern und finanzierte sich wie später auch der NSU durch Banküberfälle. Der NSU-Gruppe wird unter anderem die Ermordung von neun Migranten und einer Polizistin zwischen 2000 und 2007 zur Last gelegt.

Ausonius ist Sohn einer deutschen Mutter und eines schweizerischen Vaters. Er wurde in Schweden geboren. Sein Geburtsname lautet Wolfgang Alexander Zaugg. Sein Erscheinungsbild veränderte er mit blauen Kontaktlinsen und blondierten Haaren. (APA, 2.1.2017)

  • John Ausonius im Jahr 1995 vor Gericht.
    foto: apa/afp/roestlund

    John Ausonius im Jahr 1995 vor Gericht.

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