Österreichischer Überlebender: "Haben Glück, dass wir leben"

2. Jänner 2017, 19:22
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Mergim Shabani überlebte den Anschlag in Istanbul unverletzt und schildert seine Eindrücke

Istanbul/Wien – Während in der Türkei noch fieberhaft nach dem Attentäter der Silvesternacht gesucht wird, der in der Nacht auf Sonntag in einem Istanbuler Nachtklub 39 Menschen tötete, ist der österreichische Überlebende Mergim Shabani wieder nach Wien zurückgekehrt. Der 26-Jährige war mit Freunden aus Österreich, Saudi-Arabien, dem Libanon und den USA im Klub Reina, um ins neue Jahr zu feiern.

Als er plötzlich Schüsse hörte und Menschen sich auf den Boden warfen, versteckte er sich unter einer Sitzbank. Dort harrte er aus, bis die Polizei Entwarnung gab. "Ich habe versucht, keine Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen," so Shabani. Zweimal habe der Todesschütze "Allahu akbar" gerufen, erinnert sich der Student. Mehrere Menschen hätten vor Schmerzen geschrien. Auf dem Weg nach draußen habe Shabani nur nach vorn geblickt: "Ich habe nicht nach links oder rechts geschaut, weil mich das sonst mein ganzes Leben lang verfolgen würde."

Shabani und andere Überlebende wurden dann von der Polizei in ein Café geführt, befragt und kontrolliert. Kurz entstand Panik, als die Polizei sagte, der Attentäter könnte sich ebenfalls im Café befinden. "Wir wussten ja nicht, ob er nicht vielleicht noch eine Bombe dabei hatte," erzählt Shabani.

Polizei und Securitys

Bereits vor drei Jahren habe er im selben Klub Silvester gefeiert, die Sicherheitsvorkehrungen hätten sich seither nicht wirklich verändert, so Shabani. Es habe einen Metalldetektor gegeben, vor Ort seien ein Polizist sowie mehrere Securitys gewesen. Es habe ihn nicht gewundert, dass die Sicherheitsvorkehrungen nicht verschärft wurden, er selbst sei "nicht davon ausgegangen, dass so etwas passiert".

"Wir können von Glück reden, dass wir leben", sagt Shabani heute. Nach einem Angriff wie diesem sei es aber wichtig, nicht zuzulassen, dass "der Hass uns spaltet" oder "wir uns voneinander wegbewegen". Denn das sei genau, was die Terroristen wollen, und damit "spielen wir ihnen in die Karten". (Noura Maan, 2.1.2017)

  • Die Besucher der Istanbuler Nachtklubs Reina wurden in der Silvesternacht Ziel eines Anschlags.
    foto: apa/afp/ozan kose

    Die Besucher der Istanbuler Nachtklubs Reina wurden in der Silvesternacht Ziel eines Anschlags.

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