Jeder Dreißigste hat eine Feuerwaffe im Schrank

2. Jänner 2017, 17:33
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Die Zahl registrierter Feuerwaffen kletterte im Vorjahr Richtung Millionenmarke, zuletzt flachte der Trend aber wieder deutlich ab

Wien – Laut Daten des Innenministeriums ist die Zahl der Schusswaffenbesitzer in Österreich innerhalb eines Jahres um 26.885 auf 289.116 Personen gestiegen. Das entspricht einem von Dezember 2015 bis Dezember 2016 gemessenen Zuwachs von 10,3 Prozent. Der relative Anteil der Schusswaffenbesitzer an der Gesamtbevölkerung erhöhte sich damit von rund drei auf 3,3 Prozent.

Weniger stark stieg mit einem Plus von 6,9 Prozent oder 63.468 Stück die Zahl der registrierten Schusswaffen an. Von 914.443 im Dezember 2015 gemeldeten Feuerwaffen kletterte die Zahl bis zum Vormonat auf 977.911 und damit weiter in Richtung Millionenmarke. Der Trend ist allerdings vorwiegend auf Zuwächse im ersten Halbjahr 2016 zurückzuführen und flachte ab den Sommermonaten wieder deutlich ab: Von Dezember 2015 bis Juni 2016 erhöhte sich die Zahl der Waffen um 38.548 und jene der Besitzer um 18.205, im darauffolgenden Halbjahr aber nur mehr um 24.920 Waffen und 8.680 Besitzer.

Auf Bundesländerebene verzeichnete Vorarlberg den stärksten Zuwachs sowohl bei den Waffenbesitzern (plus 12,4 Prozent) als auch bei der Zahl der Waffen (plus 8,8 Prozent). Die geringsten Zuwächse wurden bei den Besitzern im Burgenland (plus 8,4 Prozent) und bei den registrierten Waffen in Wien (plus 5,8 Prozent) gemessen. Der Abstand der Bundeshauptstadt zum Rest der Nation beim Anteil der Waffenbesitzer hat sich damit weiter vergrößert. In Wien hat heute durchschnittlich nur jede 55. Person eine Feuerwaffe zu Hause im Schrank stehen, im Burgenland hingegen jede 21. Person. Österreichweit liegt dieser Wert bei 30.

Boom bei Kategorie-B-Waffen

Am stärksten verbreitet sind in Österreich nach wie vor Kategorie-C-Waffen, also die auch als Büchsen bekannten Gewehre mit gezogenem Lauf. 509.683 Exemplare waren per Dezember im Zentralen Waffenregister (ZWR) eingetragen, das sind um 20.202 mehr als noch ein Jahr zuvor.

Die Zahl der Kategorie-D-Waffen – das sind die als Flinten bekannten Handfeuerwaffen mit glatt gebohrtem Lauf – nahm um 14.767 auf insgesamt 64.149 Stück zu. Waffen beider Kategorien sind auch ohne Waffenbesitzkarte (WBK) im freien Verkauf erhältlich. Vorgeschrieben ist nur eine "Abkühlfrist" von drei Tagen, um Affekthandlungen vorzubeugen.

Für Kategorie-B-Waffen, unter die halbautomatische Schusswaffen, Repetierflinten, Pistolen und Revolver fallen, ist die WBK samt psychologischem Gutachten nötig. Ihre Zahl nahm im Vergleichszeitraum von allen Kategorien am stärksten zu – nämlich um 28.634 auf 397.172 Fabrikate.

Kategorie-A-Waffen schließlich umfassen Kriegsgeräte und verbotene Waffen wie Pumpguns oder Vollautomaten. Ihre Zahl sank wie schon in den vergangenen Jahren leicht, zwischen Dezember 2015 und Dezember 2016 um 135 Stück auf 6.907 Exemplare. Es handelt sich dabei in erster Linie um Reste früherer Bestände; Neuregistrierungen sind nur mit Sondergenehmigung möglich.

Nach jahrelanger Stagnationsphase konnte ein spürbarer Anstieg bei den registrierten Schusswaffen im Laufe des Jahres 2015 beobachtet werden. Die Kurve stieg mit wenigen Monaten Verzögerung in ähnlichem Ausmaß wie zuvor jene der Asylantragszahlen, die auch eine Debatte über die (gefühlte) Sicherheit und einen möglichen Anstieg der Kriminalitätsrate ausgelöst hatten. Seit Beginn des Jahres 2016 sank die Zahl der Asylanträge wieder auf das Niveau von vor 2015; nun scheint auch die Schusswaffenstatistik erneut diesem Trend zu folgen. (Michael Matzenberger, 3.1.2017)

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    foto: apa/hans klaus techt
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