"Nafris"-Tweet: Kurz und schlecht

Kommentar2. Jänner 2017, 17:27
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Der Vorwurf der Diskriminierung durch Ethnic Profiling ist nicht von der Hand zu weisen

Ösis, Amis, Kiwis – die Liste der Abkürzungen für bestimmte Nationalitäten oder Weltgegenden ist lang. Neu ist dank Kölner Polizei nun "Nafris" dazugekommen, die Bezeichnung für Nordafrikaner oder, in der neudeutschen Polizeisprache, für "nordafrikanische Intensivtäter" – was immer das auch sein soll.

Derartige Ausdrücke können verunglimpfend oder spaßhalber (auch selbstironisch) verwendet werden oder aus platzsparenden Gründen zum Einsatz kommen. Wichtig ist wie immer der Kontext. In Köln, nehmen wir einmal an, dürfte es sich in erster Linie um Gedankenlosigkeit gehandelt haben, wie sie bei Kurzbotschaftendiensten sehr oft zu finden ist: Kurz soll die Info sein, gelikt soll sie werden und oft geteilt auch – schon schnappt die Twitterfalle zu.

Im Vergleich dazu, was der interne Polizeijargon auch hierzulande schon alles so hervorgebracht hat – etwa "Südschweden" als Ersatz für rassistische Bezeichnungen für dunkelhäutige Verdächtige in den 1990er-Jahren -, erscheint Nafris harmlos. In offiziellen Mitteilungen der Sicherheitsbehörde hat das aber dennoch nichts verloren.

Denn im Gegensatz zu den eingangs erwähnten Ösis und Amis suggeriert Nafris im gegebenen Kontext, Menschen quasi am Nasenspitzl ansehen zu können, ob sie kriminell sind oder nicht. Und damit ist auch der Vorwurf der Diskriminierung durch Ethnic Profiling nicht von der Hand zu weisen. (Michael Simoner, 2.1.2017)

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