Nach dem Anschlag in Istanbul: Sucht nach Verschwörung

Kommentar2. Jänner 2017, 17:21
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Erdogans Wahlverwandtschaft mit Wladimir Putin ist nicht mehr zu übersehen

Auf die Komplottmaschine Türkei ist immer Verlass. Noch die schrägste Verbindung wird von der Regierung und ihren Schreibern in den Medien konstruiert, um Politik und Realität in Deckung zu bringen. Der Anschlag auf die Neujahrsfeiernden im Istanbuler Klub Reina war das Werk der CIA, lernen türkische Leser nun. Der "Islamische Staat" hat sich mittlerweile zur Tat bekannt? Kein Problem: Die USA unterstützen ja die Terrormiliz. Präsident Tayyip Erdogan hat es selbst gesagt, noch bevor sich der Attentäter den Weg ins Reina freigeschossen hatte.

Die absurden Vorwürfe sollen die Ohnmacht der türkischen Führung angesichts der Terrorserie im Land kaschieren helfen. So zäh hält sich dabei der antiamerikanische Reflex in Teilen der türkischen Gesellschaft, dass wirklich nichts für unmöglich gehalten wird. Der Terroranschlag auf den Nachtklub als eine Revanche für den gerade errungenen außenpolitischen Erfolg, die russisch-türkische Vermittlung eines Waffenstillstands in Syrien, ist deshalb eine Erklärung, die nicht wenigen in der Türkei einleuchtet. US-Botschafter John Bass in Ankara ist der "Lügen-John" und nun auch der "Hauptverdächtige" im Fall Reina, wie in großen Lettern vermeldet wird.

Hinter der jüngsten Komplotttheorie aus Ankara steht gleichwohl ein ernstzunehmender Wechsel. Erdogans Wahlverwandtschaft mit Wladimir Putin, das Bündnis mit dem russischen Präsidenten, ist nicht mehr zu übersehen. (Markus Bernath, 2.1.2017)

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