"Ich versteif mich nicht mehr so aufs Springen"

    2. Jänner 2017, 16:45
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    Die Geschichte, die der Tiroler Manuel Fettner auch während der 65. Vierschanzentournee zu erzählen hat, ist die Geschichte einer langen Karriere mit wenigen Höhepunkten und nicht enden wollender Hoffnung

    Seefeld – "Der ganz große Erfolg war noch nicht da." Und das, sagt Manuel Fettner, hat ihn stets zum Weitermachen motiviert. Der Tiroler gehört mit 31 Jahren "wohl zu den Ältesten im Weltcup", vor allem sein Wettkampfalter ist bemerkenswert, schließlich hat er einst als 15-Jähriger sein Debüt im Weltcup gefeiert. Das war vor fast genau 16 Jahren, am 4. Jänner 2001 in Innsbruck. Er landete auf Rang 44, machte aber bereits zwei Tage später mit einem fünften Platz in Bischofshofen erstmals von sich reden.

    Im Laufe der 16 Jahre ist immer wieder über Fettner geredet worden, aber das Gerede war nie von Dauer. Manuel Fettner ragte nie heraus, hat aber auch selten richtig enttäuscht. Drei Saisonen beendete er, als Teenager noch, ohne einen Weltcuppunkt. Dem stehen 13 Weltcupsaisonen mit Zählbarem gegenüber, wobei Fettner nie in den Top Ten abgeschlossen hat. Zwölfter war er 2010/11. Da hatte er als Dritter in Oberstdorf seinen ersten Podestplatz und den vierten Tournee-Gesamtrang erreicht. Heuer könnte Manuel Fettner sich selbst übertreffen. Ende November sprang er in Ruka (Finnland) auf sein zweites Weltcuppodest, wieder als Dritter. Doch diesmal ging es nicht wieder bergab. Sechsmal konnte sich Fettner in diesem Winter schon einstellig klassieren, und der zwölfte Platz im Neujahrsspringen war sein bis dato bestes Ergebnis in Garmisch-Partenkirchen.

    Nicht gern im Mittelpunkt

    In der Tournee, die sich ab Dienstag (Quali) in seiner Heimatstadt Innsbruck fortsetzt, liegt Fettner an siebenter, im Weltcup an achter Stelle. Keine üble Ausgangslage. Doch Fettner ist keiner, der gern im Mittelpunkt steht. Der Mittelpunkt gehört derzeit, gehörte auch am Montag beim Seefelder Termin von Sponsor Audi dem Salzburger Stefan Kraft, der den zweiten Tourneesieg nach 2015 anstrebt. Fettner ließ die "Driving Experience" auf eisiger Unterlage aus, er ist verkühlt.

    "Der Sport an sich hat mir immer Spaß gemacht", sagt Manuel Fettner. 50 Kilometer Langlauf etwa könnte er sich auf Dauer gar nicht vorstellen. "50 Kilometer Langlauf bleiben immer gleich." Aber das Skispringen habe sich ständig weiterentwickelt, neuen Regeln musste die Ausrüstung, auch der Sprungstil angepasst werden. "Das macht die Sache spannend."

    Zehn Jahre lang war Fettner als Sportsoldat beim Bundesheer angestellt, der Sold sicherte ihn und sichert ihn noch immer finanziell ab. "Ich hab nie so viel gewonnen, dass sie mich beim Heer nicht mehr akzeptiert hätten", sagt er. "Ich war aber auch nie so schlecht, dass sie mich rausgeschmissen hätten. Zumindest für den B-Kader hat es immer gereicht." Dank Bundesheer und Sponsor Manner seien selbst "die schlechten Zeiten nie wirklich schlecht gewesen". Das Brot ist weder besonders weich noch besonders hart. Fettner hat "natürlich nicht ausgesorgt", aber immerhin in Innsbruck gemeinsam mit seiner Freundin eine Eigentumswohnung bezogen.

    Manuel Fettner redet von weiteren Podestplätzen, die er erreichen will. "Und vielleicht schaff ich ja doch einmal einen Sieg." Mit der Mannschaft hat er schon gewonnen, besonders gerne denkt er an die WM 2013 in Val di Fiemme zurück. Da verlor er bei der Landung einen Ski und fuhr auf dem anderen weiter, bis über die sogenannte Sturzlinie. Die so verbuchten Punkte sicherten Österreich den Titel auf der Großschanze. "Ich weiß, dass man Siege nicht erzwingen kann", sagt Fettner. Und er sagt, er sei "nie neidisch" gewesen, wenn Teamkollegen wie Thomas Morgenstern oder Gregor Schlierenzauer allen um die Ohren sprangen. "Jeder Mensch hat gute und schlechte Tage", sagt Fettner. "Und es macht sicher nicht glücklich, wenn man immer in den Medien ist. Ich hätte nie tauschen wollen, bin zufrieden mit meinem Leben."

    Seine Karriere, das ist ihm klar, hat ein Ablaufdatum. Manuel Fettner ist nicht Noriaki Kasai. Das Ablaufdatum soll 2019 sein, die Heim-WM in Seefeld wäre somit ein letzter Höhepunkt. An das Leben danach denkt Fettner nicht wirklich. Immerhin hat er einen zweiten Studienanlauf genommen, der erste – Leistungs- und Gesundheitssport an der Haupt-Uni in Innsbruck – hatte "nicht wirklich funktioniert. Zu viele Anwesenheitspflichten". Nun, da ihm das Bundesheer drei Jahre Zeit zur beruflichen Bildung gibt, studiert Fettner am Institut für Management (IfM) in Salzburg, das funktioniert berufsbegleitend. "Ich wollte etwas tun, das nichts mit Skispringen zu tun hat." Ein späterer Job als Trainer ist für Fettner, obwohl er die Lehrwarteausbildung absolviert hat, derzeit kaum vorstellbar.

    "Ich versteif mich jetzt nicht mehr ganz so aufs Springen", sagt der 31-jährige Fettner. "Vielleicht klappt es ja gerade deshalb." Heuer könnte er sich selbst übertreffen. Könnte. Konjunktiv. Der ganz große Erfolg war noch nicht da. Wir reden von Manuel Fettner. Ob er kann, bleibt abzuwarten. (Fritz Neumann, 2.1.2017)

    • Fettner hofft: "Vielleicht schaff ich ja doch einmal einen Sieg."
      foto: apa/ap/schrader

      Fettner hofft: "Vielleicht schaff ich ja doch einmal einen Sieg."

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