Terrorverdacht: Syrischer Asylwerber festgenommen

2. Jänner 2017, 16:10
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Soll Autobombenanschläge geplant haben – IS-Miliz um 180.000 Euro gebeten – Menschenmengen als Ziele genannt

Saarbrücken – Ein syrischer Flüchtling aus Saarbrücken hat den "Islamischen Staat" (IS) nach Angaben der deutschen Sicherheitsbehörden um Geld für Anschläge mit sprengstoffbeladenen Fahrzeugen auf größere Menschenmengen gebeten. Der 38-Jährige sei bereits am Samstag von Spezialeinsatzkräften in der saarländischen Landeshauptstadt festgenommen worden, teilten Staatsanwaltschaft und Polizei dort am Montag mit.

Demnach nahm der Mann über den Messenger-Dienst Telegram Kontakt zu einem mutmaßlichen IS-Vertreter in Syrien auf und forderte 180.000 Euro, um entsprechende Anschläge in Deutschland, Frankreich, Belgien sowie den Niederlanden zu begehen. Er sitzt seit Sonntag wegen des Vorwurfs der Terrorismusfinanzierung in U-Haft.

"Hinweisgeber"

Hinweise auf akute Bedrohungen etwa im Zusammenhang mit Silvesterfeierlichkeiten hätten die bisherigen Ermittlungen nicht ergeben, betonten Staatsanwaltschaft und Polizei. Es gebe bisher keine Erkenntnisse darüber, dass der Mann bereits Fahrzeuge präpariert habe.

Auf die Spur des Manns kamen die Ermittler nach Angaben der Staatsanwaltschaft unter anderem durch einen "Hinweisgeber", der sich an das Bundeskriminalamt (BKA) gewandt hatte. Auf einem Handy des Beschuldigten sicherten sie später auch die Verläufe der Chats, die dieser mit dem mutmaßlichen Kontaktmann bei der Terrormiliz "Islamischer Staat" führte. Der 38-jährige Asylwerber selbst räumte demnach Kontakte zu der Miliz ein, bestritt jedoch "terroristische Absichten".

22.500 Euro pro Fahrzeug

Den beschlagnahmten Chatverläufen zufolge wollte der Mann Fahrzeuge kaufen und jeweils mit 400 bis 500 Kilo Sprengstoff beladen, wie die Ermittlungsbehörde mitteilte. Er habe diese selbst oder durch andere in "Menschenmengen" zur Explosion bringen wollen, "um auf diese Weise eine unbekannte Vielzahl von Menschen nichtmuslimischen Glaubens zu töten".

Pro Fahrzeug habe er mit einem Kaufpreis von 22.500 Euro kalkuliert, insgesamt 180.000 Euro gefordert. Er habe sich so "Vermögenswerte" für eine Tat verschaffen wollen, deren erklärtes Ziel es gewesen sei, die Bevölkerung "in erheblicher Weise einzuschüchtern".

"Noch nicht näher konkretisiertes Anschlagsszenario"

Nach den Angaben der Polizei hatte der Mann für ein "noch nicht näher konkretisiertes Anschlagsszenario" mit präparierten Fahrzeugen in Deutschland und den Nachbarstaaten Frankreich, Belgien und den Niederlanden die "finanzielle Hilfe" des IS gefordert. Die Ermittlungen dauerten demnach noch an. Angaben etwa zu Mittätern könnten derzeit aus ermittlungstaktischen Gründen nicht gemacht werden, betonte die Staatsanwaltschaft.

Nach Angaben der saarländischen Polizei hatte sie nach den entsprechenden Hinweisen des BKA eine Besondere Aufbauorganisation (BAO) namens "Fahrzeug" gebildet, die auf den arbeitslosen Asylwerber angesetzt wurde, der seit August 2016 in Saarbrücken-Burbach gemeldet war. Durch "intensive und umfangreiche Ermittlungen sowie teilweise verdeckt geführte Maßnahmen" sei er in seiner Wohnung lokalisiert und am Samstag festgenommen worden.

Der Zugriff erfolgte demnach gegen 4.00 Uhr in der Früh durch saarländische Spezialkräfte, bei der anschließenden Durchsuchung der Wohnungen wurden nicht näher genannte Beweismittel beschlagnahmt. Der Verdächtige war laut Behörden im Dezember 2014 nach Deutschland eingereist und hatte im Jänner 2015 einen Asylantrag gestellt. Er lebte zunächst für längere Zeit in Hessen, bevor er ab August vergangenen Jahres in Saarbrücken gemeldet war. (APA, 2.1.2017)

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