Berlusconi sucht nach Verbündeten gegen Vivendi

2. Jänner 2017, 12:40
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Italiens Ex-Premier will TV-Gruppe Mediaset vor Übernahmeversuch retten

Rom/Paris/Mailand – Der italienische Ex-Premier Silvio Berlusconi, Eigentümer der TV-Gruppe Mediaset, sucht nach Verbündeten, um sich vor dem als feindlich bewerteten Übernahmeversuch des französischen Medienkonzerns Vivendi zu verteidigen. Dieser hat in wenigen Tagen seinen Anteil an Mediaset von drei auf 29,7 Prozent aufgestockt.

Berlusconi will Mediaset-Aktionäre wie Norges Bank, Lazard Asset Management, Mackenzie und Rothschild auf seine Seite bringen, um die "italienische Identität" des Mailänder TV-Konzerns zu bewahren, berichtete die Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera" am Montag. Damit hofft sich Berlusconi gegen Vivendi zu wehren.

Bei seiner Verteidigungsstrategie kann Berlusconi mit der Unterstützung der italienischen Regierung rechnen. Industrieminister Carlo Calenda kritisierte am Montag die Vorgehensweise Vivendis.

Offene Schlacht

Vivendi ist zum zweitstärksten Aktionär von Mediaset nach Berlusconis Fininvest-Holding mit einer 39,7-prozentigen Beteiligung aufgerückt. Vermutet wird, dass Vivendi seinen Anteil weiterhin aufstocken will. Die Mediaset-Aktie legte am Montag an der Mailänder Börse um 2 Prozent zu.

Seit Wochen tobt eine offene Schlacht zwischen Berlusconi und Vivendi-Chef Vincent Bollore. Zwischen den beiden sind die Beziehungen bereits seit Monaten angespannt. Im Sommer ließ Vivendi eine schon vereinbarte Übernahme des zu Mediaset gehörenden Pay-TV-Senders Premium platzen. Vivendi bezweifelte plötzlich die finanzielle Bewertung und wollte nun lieber 15 Prozent an der ganzen Gruppe. Mediaset lehnte ab und verklagte Vivendi auf Schadenersatz von 570 Mio. Euro.

Eigentlich wollten die Unternehmen eine gemeinsame Plattform zum weltweiten Vertrieb von TV-Inhalten schaffen. Italienische Medien hatten von einem "europäischen Netflix" gesprochen. Doch der Deal ist gescheitert. Nun will Vivendi stattdessen maßgeblichen Einfluss bei Mediaset erlangen. Die Berlusconi-Familie sieht dies als "feindliches" Manöver und hat sowohl die italienische Justiz als auch die Börsenaufsicht eingeschaltet. (APA, 2.1.2017)

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