Euro: 15 Jahre und stark pubertierend

1. Jänner 2017, 18:52
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Mit vielen Hochs und Tiefs doch ans Herz gewachsen: die europäische Gemeinschaftswährung

Es war und ist das ehrgeizigste Projekt der Europäischen Union: die Schaffung einer gemeinsamen Währung, die in 19 Ländern der EU als gesetzliches Zahlungsmittel dient.

Mittlerweile sind die Münzen und Scheine 15 Jahre alt und, wie in diesem Alter üblich, stark pubertierend. Es zeigt sich, dass die Einführung einer gemeinsamen Währung in dem heterogenen Wirtschaftsraum zu Problemen führen kann. Denn eine Ab- oder Aufwertung als wirtschaftspolitisches Instrument fällt bei einer gemeinsamen Währung weg – und das spüren wirtschaftlich schwächere Mitglieder.

Um den Erhalt des Euro bangen deshalb führende Politiker immer wieder – und nicht erst seit der Griechenland-Krise. Erst kürzlich warnte der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble vor einem Auseinanderbrechen der Währungsunion. "Wenn wir die Regeln nicht einhalten, fliegt uns die Eurozone auseinander", sagte er in der Wochenzeitung Die Zeit. Vor allem Begleitmaßnahmen wie eine Annäherung bei Finanzpolitik und Steuersätzen fehle. In der Staatsschuldenkrise in Europa haben sich die Gräben zwischen den Ländern vertieft, und dies trotz Einführung einer Gemeinschaftswährung.

Leitwährungsstatus angestrebt

Aber natürlich brachte der Euro viel für die Vertreter einer globalisierten Welt: Für Reisende gibt es innerhalb der Eurozone kein umständliches Umrechnen mehr. Unternehmen profitieren vom Wegfall der Wechselkursschwankungen. Ein kleines Land wie Österreich mit seiner starken Ausrichtung auf grenzüberschreitenden Handel zählt zu den Gewinnern der Währungsunion.

Insbesondere junge Menschen sind Anhänger des Euro. Viele von ihnen können sich an frühere Schillingzeiten gar nicht mehr erinnern.

Außerdem war die Inflationsrate in den vergangenen 15 Jahren ausgesprochen moderat. Der Euro habe sich nicht als Teuro erwiesen, betonen Statistiker anlässlich des 15-Jahr-Jubiläums. Ganz im Gegensatz zum Schilling, wo es in den 1970er-Jahren immer wieder Preissteigerungen von acht oder neun Prozent gab.

Für fast 340 Millionen Menschen ist der Euro Zahlungsmittel. Laut Umfrage der EU-Kommission halten ihn 56 Prozent der Menschen für eine gute Sache und für eine Quelle politischer Stabilität. Neben den 19 Euroländern haben ihn auch andere europäische Länder als Währung: Andorra, Monaco, San Marino und der Vatikan. Auch im Kosovo und in Montenegro ist er Zahlungsmittel. (Johanna Ruzicka, 1.1.2017)

  • Wird als Quelle politischer Stabilität gesehen:  der Euro.
    foto: afp

    Wird als Quelle politischer Stabilität gesehen: der Euro.

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