China spielt bei Übernahmen in der ersten Liga

1. Jänner 2017, 17:11
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Wiewohl viele Mergers gestoppt wurden: Chinesische Zukäufe im Ausland haben sich 2016 verdoppelt

New York – Am Ende reichte es in der "ewigen Tabelle" nur für Platz drei: 2016 wurden Firmenfusionen und -übernahmen für 3,6 Billionen Dollar (3,42 Billionen Euro) vereinbart, 17 Prozent weniger als im Rekordjahr 2015, aber weniger als im Boomjahr 2007 vor der Finanzkrise. Doch die vom Finanzdienst Thomson Reuters erhobenen Zahlen täuschen über einen Trend hinweg, der 2016 zu einem außergewöhnlichen Jahr macht. Es waren nicht nur die üblichen Übernahmen, mit denen Konzerne in ihrer Branche nach oben streben. Unternehmen schauen vermehrt über den Tellerrand hinaus. "Disruption" – die Zerstörung althergebrachter Geschäftsmodelle etwa durch die Digitalisierung – lautet das Schlagwort.

"Firmen erfinden sich neu, betrachten ihr Geschäft mit anderen Augen und überlegen, wie sie disruptiv werden können – oder vermeiden, selbst Opfer von Disruption zu werden", sagt Chris Ventresca, der das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen (M&A) bei JPMorgan leitet. "Das kurbelt Transaktionen an." Die größte Übernahme des Jahres passt in diese Schublade: Der US-Telekomriese AT&T schluckt für 85,4 Milliarden Dollar den Medienkonzern Time Warner mit Sendern wie CNN und Filmstudios (Warner Bros). Microsoft verleibt sich das Karrierenetzwerk Linkedin für 26,2 Milliarden Dollar ein und Smartphone-Hersteller Samsung greift nach dem Hersteller von Lautsprechern für Autos, Harman International.

Fusionen "unter Gleichen"

"Das Tempo, mit dem Technologie ganze Branchen erfasst, und das Zusammenwachsen traditioneller Industriezweige bestimmen das Denken der Leute so stark wie nie", sagt Cary Kochman, M&A-Chef von Citi in Nordamerika. Gleichzeitig geht die Konsolidierung innerhalb einzelner Branchen weiter: Die Übernahme von Monsanto durch Bayer war mit 66 Milliarden Dollar die größte, die ein Konzern je in bar stemmte – also nicht durch Ausgabe neuer Aktien. Linde will mit der 65 Milliarden Dollar schweren Fusion "unter Gleichen" mit Praxair wieder Nummer eins bei Industriegasen werden.

In der ersten Liga spielt insbesondere China mit. Weltweit summierten sich chinesische Zukäufe im Ausland auf 221 Milliarden Dollar, mehr als doppelt so viel wie 2015. Ganz oben stand der Kauf des Schweizer Pflanzenschutz- und Saatgutkonzerns Syngenta durch ChemChina um 43 Milliarden Dollar. Obwohl die Politik zahlreiche Übernahmen stoppte, gaben Unternehmen aus dem Reich der Mitte 2016 neunmal so viel für US-Konzerne aus wie 2015. Das liege vor allem daran, dass sie "globale Reichweite brauchen und Know-how kaufen müssten, das sie nicht haben", sagt Goldman-Sachs-M&A-Co-Chef Gilberto Pozzi.

Widerstand wächst

Zugleich fällt auf, dass immer mehr Fusionsprojekte platzen -entweder wegen des Widerstands seitens der Übernahmeobjekte oder der Wettbewerbshüter, denen die Konglomerate zu mächtig werden, oder aus der Politik. Insgesamt scheiterten 2016 Übernahmen im Volumen von 804 Milliarden Dollar – abgesehen von den Versuchen, die gar nicht erst publik wurden. (Reuters, 1.1.2017)

  • Mit Syngenta geht es für ChemChina aufwärts.
    reuters / china stringer network

    Mit Syngenta geht es für ChemChina aufwärts.

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