Türkei: "Wall Street Journal"-Reporter zwei Tage festgehalten

31. Dezember 2016, 21:43
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Dion Nissenbaum wurde nach zweieinhalb Tagen wieder freigelassen

Ankara/Washington – Ein US-Journalist des renommierten "Wall Street Journal" ist in der Türkei zwei Tage lang festgehalten worden. Reporter Dion Nissenbaum sei am Dienstag in seiner Istanbuler Wohnung festgenommen worden, berichtete die Zeitung am Samstag auf ihrer Website. Ihm sei vorgeworfen worden, gegen ein Veröffentlichungsverbot von Bildern der Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) verstoßen zu haben.

Erst nach zweieinhalb Tagen ohne Kontakt mit seinem Anwalt, seiner Familie und seiner Redaktion sei der Korrespondent am Freitag schließlich freigelassen worden. Er sei inzwischen in die USA ausgereist.

Das "Wall Street Journal" zitierte eine mit dem Fall vertraute Quelle, wonach Nissenbaum festgenommen worden sei, weil er gegen eine Anordnung der Regierung verstoßen habe, wonach von einem bestimmten IS-Video keine Bilder verbreitet werden dürfen. Das betreffende Video der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), das am vorvergangenen Donnerstag im Internet veröffentlicht worden war, soll zeigen, wie zwei türkische Soldaten bei lebendigem Leibe verbrannt werden.

Vize-Ministerpräsident Numan Kurtulmus hatte am vergangenen Dienstag vor der Verbreitung des Videos gewarnt und nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu gesagt: "Einige unsere Freunde im Medienbereich müssen auf ihre Schritte achtgeben."

Kurtulmus hatte die Echtheit des grausamen Videos nicht bestätigt. Nach der Veröffentlichung der Aufnahmen hatten die Behörden erneut vorübergehend soziale Medien wie Twitter und YouTube gesperrt.

41.000 Festnahmen

Schon seit Monaten wachsen die Sorgen um die Pressefreiheit in der Türkei. In dem Land gilt seit dem gescheiterten Militärputsch von Mitte Juli der Ausnahmezustand. Seither wurden rund 41.000 Verdächtige wegen mutmaßlicher Beteiligung an den Putschplänen oder wegen angeblicher Unterstützung der Gülen-Bewegung festgenommen, die von der türkischen Führung für den Putsch verantwortlich gemacht wird. Unter den Festgenommenen sind dutzende Journalisten.

Mitte der Woche war der prominente türkische Journalist Ahmet Sik unter dem Vorwurf der "Terror-Propaganda" in Haft genommen worden.

(APA, dpa, 31.12.2016)

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