Kraft Zweiter vor Fettner

31. Dezember 2016, 15:40
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Österreichs Skispringer haben in der Qualifikation fürs Neujahrsspringen an den glänzenden Auftakt angeknüpft, Bester war aber der Deutsche Eisenbichler

Garmisch-Partenkirchen – Es grünt so grün, daran wird man sich im Winter gewöhnen müssen. Sei es, dass man selbst auf einem weißen Band den Berg hinunterfährt, sei es, dass man anderen dabei zusieht, wie sie hinunterfahren – oder eben springen. In Garmisch-Partenkirchen schmückt die große Olympiaschanze den Gudiberg, den ansonsten derzeit recht wenig schmückt, schon gar kein Schnee. Der soll erst am Dienstag kommen, die Einheimischen sagen, das ist halt jetzt so, dass der Winter erst im Jänner wirklich beginnt. Der Klimawandel, sagen die Einheimischen.

Manches ändert sich, Manches ändert sich nicht. Wie jedes Jahr am 31. Dezember haben die Skispringer sich und den Zusehern "einen guten Rutsch" gewünscht. Wie jedes Jahr sind sie in Garmisch um die Qualifikation für den Neujahrsbewerb (14 Uhr, ORF eins) gesprungen. Wie jedes Jahr sind die Besten automatisch dabei, richtig spannend wird es also erst am Ersten. Da geht es wie jedes Jahr im K.o.-Modus dahin, wobei die fünf besten Verlierer wie jedes Jahr garantiert den Finaldurchgang erreichen. Sei’s drum. Oberstdorf-Sieger Stefan Kraft (23), der im interessantesten Duell auf den noch nicht 45-jährigen Japaner Noriaki Kasai trifft, musste in der Garmisch-Quali jedenfalls nur dem Deutschen Markus Eisenbichler den Vortritt lassen. Eisenbichler (25), der aus Siegsdorf in Oberbayern stammt, vor drei Wochen in Lillehammer als Dritter seinen ersten Podestplatz schaffte und in Oberstdorf schon Sechster war, könnte sich als ernsthafter Tournee-Gegner entpuppen.

Sechs Österreicher springen

Der Oberstdorf-Fünfte Manuel Fettner kam in der Quali auf Rang drei, der Oberstdorf-Dritte Michael Hayböck auf Rang sieben. Das lässt viel erwarten. Sechs Österreicher sind dabei, allein Elias Tollinger qualifizierte sich nicht. Die Zeichen stehen gut. Kraft, der Tournee-Gesamtsieger 2014/15, und Hayböck geben sich locker, wahrscheinlich sind sie es wirklich. Vor knapp vier Wochen war Hayböck in Klingenthal noch am Finale vorbeigesprungen, ihn plagten Rückenschmerzen, ein schiefes Becken war daran schuld. Nun steht und fliegt er wieder schnurgerade, der dritte Oberstdorf-Podestplatz en suite war die Folge. "Selten hab ich mich so über einen Stockerlplatz gefreut", sagte der 25-jährige Oberösterreicher, der sich "genau zur Tournee in Superform" sieht.

Dem Salzburger Kraft geht es ähnlich, wenn nicht besser. Sein erster Sprung bei dieser Tournee wurde von Österreichs Cheftrainer Heinz Kuttin eine "Bombe" genannt, Skispringer reden halt so. Kuttin ist es nicht zuletzt gelungen, den Trubel um das Comeback von Gregor Schlierenzauer von seiner Truppe fernzuhalten. Dem Vernehmen nach sollte Schlierenzauer, der ab 13. Jänner in Wisla (Polen) wieder im Weltcup springen will, auch bei der Tournee bei einem PR-Termin auftreten, dem Vernehmen nach wird das nicht passieren, weil bei der Tournee die Tournee-Mannschaft im Vordergrund stehen soll. Hier und jetzt geht es, aus österreichischer Sicht, vor allem um Kraft und Hayböck. Um das fliegende Doppelzimmer.

Gute Freunde und Konkurrenten

Die Freundschaft der beiden ist schon bemerkenswert, geht über normal gute Beziehungen unter Berufskollegen weit hinaus. Sie machen kein Hehl daraus, dass sie im Wettbewerb Konkurrenten sind. "Aber wenn mir dann unten der Michi um den Hals fällt, ist das das Schönste, was es gibt", sagt Kraft. Geteilte Freud‘ ist doppelte Freud‘. Natürlich haben sie Silvester gemeinsam, gemeinsam aber schon auch mit ihren Freundinnen verbracht, natürlich sind sie nicht vor Mitternacht schlafen gegangen. Hayböck wollte sich "die Raketen noch anschauen". Vierschanzentournee: Bomben, Raketen, Bomben. Wie jedes Jahr. (Fritz Neumann aus Garmisch-Partenkirchen, 31.12.2016)

Qualifikation in Garmisch-Partenkirchen:

1. Markus Eisenbichler (GER) 141,8 Punkte (138 Meter)
2. Stefan Kraft (AUT) 139,9 (138)
3. Manuel Fettner (AUT) 138,4 (139)

4. Domen Prevc (SLO) 135,8 (137,5)
5. Maciej Kot (POL) 135,2 (134)
6. Piotr Zyla (POL) 134,8 (136)
7. Michael Hayböck (AUT) 134,1 (135)
8. Daniel Andre Tande (NOR) 133,6 (135)
9. Stephan Leyhe (GER) 133,4 (134,5)
10. Peter Prevc (SLO) 131,8 (133,5)
Weiter:
14. Cene Prevc (SLO) 126,2 (131)
15. Andreas Kofler (AUT) 124,4 (129,5)
22. Florian Altenburger (AUT) 119,0 (128)
41. Markus Schiffner (AUT) 110,6 (123,5)

Nicht angetreten: Kamil Stoch (POL)
Nicht qualifiziert u.a.: 51. Elias Tollinger (AUT) 103,3 (120)

Die wichtigsten Paarungen im k.o.-System:

Denis Kornilow (RUS) – Kofler, Schiffner – P. Prevc, Altenburger – Daiki Ito (JPN), Halvor Egner Granerud (NOR) – Hayböck, Jarkko Määttä (FIN) – Fettner, Noriaki Kasai (JPN) – Kraft, Stoch – Eisenbichler

  • Kraft fliegt weit.
    foto: reuters/michael dalder

    Kraft fliegt weit.

  • Kraft freut sich.
    foto: apa/dpa/daniel karmann

    Kraft freut sich.

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