Vernetzte Atomraketen: US-Militär erneuert Waffensysteme

31. Dezember 2016, 12:52
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Eine Billion Dollar veranschlagt – 50-köpfiges Gremium soll mögliche Gefahren ausloten

Als die USA zuletzt ihr nukleares Arsenal in größerem Umfang aktualisierten, befand sich das Land noch im "kalten Krieg" mit der Sowjetunion. Entsprechend veraltet ist mittlerweile die Technik und IT-Infrastruktur hinter dem wichtigsten Drohpotenzial des amerikanischen Militärs. Das soll sich ändern. Schon vergangenen Februar hat der scheidende Präsident Barack Obama über eine Billion Dollar für eine Modernisierung veranschlagt.

Es soll ein völlig neues nukleares Waffensystem geschaffen werden, in dem auch die Sprengköpfe über ein Hochsicherheitssystem miteinander vernetzt werden sollen. 50 Spezialisten aus dem wissenschaftlichen Beraterstab der Air Force soll sich 2017 mit dem anstehenden Upgrade befassen.

Umfassende Modernisierung

Eine Reihe von Equipment muss mit aktuellen Technologien modernisiert werden, erklärt der Vorsitzende des Gremiums gegenüber Defense One, Werner Dahm. Darunter auch nukleare Langstreckenraketen und der Stealth-Bomber B-21. "Diese Systeme werden sich stark von denen unterscheiden, die sie ersetzen werden", so Dahm. "Sie werden ähnlich sein, wie alle Systeme heute: Vernetzt und ‘cyberfähig‘." (Im Originalzitat: "cyber enabled", Anm. d. Red.)

Mit den neuen Möglichkeiten, die eine bessere Koordination der Mittel und schnellere Reaktionsfähigkeit bringen sollen, gehen aber auch Gefahren einher. Die Vernetzung schafft potenzielle Einfallstore und die Möglichkeit, versehentlich Abschüsse zu initiieren oder Atombomben anderweitig zu kompromittieren.

Wissenschaftler auf Gefahrensuche

Die Wissenschaftler sollen sich mit diesen Szenarien auseinandersetzen und Lösungsvorschläge vorlegen, bevor das Arsenal-Upgrade anläuft. "Man muss in der Lage sein, sicherzustellen, dass ein Feind nicht Kontrolle über diese Waffen erlangen kann und dass diese Waffen in der Lage sind, das zu tun, was sie sollen, wenn sie benötigt werden", so Dahm weiter.

Derweil rufen Aktivisten Barack Obama in einer Petition dazu auf, den Zugang des Präsidenten zum US-Atom-Arsenal vor der Amtsübergabe an Donald Trump zu erschweren. Trump hatte kurz vor Weihnachten via Twitter einen massiven Ausbau des "nuklearen Kapazitäten" der USA gefordert, bis "die Welt in Sachen Atomrakten zur Besinnung kommt". In einer MSNBC-Talkshow erklärte er hinsichtlich möglicher nuklearer Bedrohungen durch Terroristen: "Lasst uns eben einen Rüstungswettlauf machen. Wir werden sie bei jeder Gelegenheit ausstechen." (red, 31.12.2016)

  • Ein Techniker inspiziert eine für Atomsprengköpfe ausgelegte Rakete des Typs "Minuteman III". Sie wurden bis 1977 hergestellt und sollen ab 2030 ausgemustert werden.
    foto: apa/afp/us air force/ho

    Ein Techniker inspiziert eine für Atomsprengköpfe ausgelegte Rakete des Typs "Minuteman III". Sie wurden bis 1977 hergestellt und sollen ab 2030 ausgemustert werden.

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