Schönborn wünscht sich Christianisierung von Nahost und Nordafrika

1. Jänner 2017, 16:27
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Kardinal nimmt Muslimen Wunsch nach islamischem Europa nicht übel und ruft in seiner Silvesteransprache zu mehr Hoffnung auf

Wien – Kardinal Christoph Schönborn erklärte, er nehme den Muslimen den Wunsch nach einem islamischen Europa nicht übel. Auch er wünsche sich, "dass der Nahe Osten wieder christlich wird, wie er es einmal war", oder auch Nordafrika, so Schönborn in der "Kronen Zeitung". "So kann ich den Muslimen nicht verargen, wenn sie sich wünschen, dass Europa islamisch wird."

Gefragt, ob er nicht Angst habe, dass der Stephansdom einmal zu einer Moschee werden könnte, sagte Schönborn: "Natürlich wünsche ich mir, dass der Stephansdom ein lebendiges christliches Gotteshaus, ein Ort des Gebetes, bleibt und nicht nur eine Touristenattraktion für fünf Millionen Touristen im Jahr. Aber wir haben in Wien schon jetzt zweihundert islamische Gebetsstätten. Dass Religionen miteinander in Konkurrenz stehen, das ist so alt wie die Welt."

Vorwürfe an Christen, nicht Muslime

Angst vor einer Islamisierung Europas zu haben sei "unsinnig, wenn man nicht selber etwas dazu beiträgt, dass Europa christlich bleibt. Wenn in Holland eine Kirche nach der anderen verkauft wird, wenn uns Supermärkte wichtiger sind als die christlichen Wurzeln Europas, dürfen wir uns nicht wundern, dass Europa sich entchristlicht. Aber es ist nicht Schuld der Muslime." Wenn man sehe, dass die Moscheen gut besucht sind und die Kirchen schlecht besucht sind, "dann dürfen wir nicht den Muslimen den Vorwurf machen, dass sie Europa islamisieren wollen. Sondern wir müssen uns den Vorwurf machen, dass wir nicht genug tun, um ein christliches Europa zu erhalten."

Kardinal ruft für 2017 zu mehr Hoffnung auf

In seiner Silvesteransprache hat der Kardinal die Österreicher dazu aufgerufen, im Jahr 2017 "der Hoffnung in dieser Welt ein Stück mehr Raum" zu geben. Jeder könne dazu etwas beitragen, etwa, "indem wir selber nicht wegschauen bei den Nöten der anderen, indem wir selber auf andere zugehen, indem wir uns um Versöhnung bemühen".

Man solle, "auch wenn es uns schwer fällt, einen wirklichen Schritt der Versöhnung und Wiedergutmachung leisten", meinte der Wiener Erzbischof. Der oft gebrauchte Ausdruck "Die Hoffnung stirbt als letzte" störe ihn und sei seiner Überzeugung nach auch unrichtig, "denn die Hoffnung stirbt überhaupt nicht". Es werde "genug geredet über das, was schief und schlecht geht, das, was Sorgen macht und Ängste bereitet", sagte Schönborn. "Es gibt Grund zur Sorge, aber es gibt noch mehr Grund zur Hoffnung."

Auch Hoffnung für Aleppo

Der Kardinal erwähnte als Beispiel die lange umkämpfte syrische Stadt Aleppo, wo "dramatische Zerstörungen, Bombardierungen, Flüchtlinge, Not und viele Tote" über viele Wochen Thema in den Medien gewesen seien. Nun blühe die Hoffnung sogar dort wieder auf, "die Stadt hat eine Zukunft, hat Hoffnung", sagte Schönborn.

Natürlich müsse die Hoffnung realistisch und der Blick auf 2017 nüchtern sein. "Die wirtschaftliche Lage wird vielleicht nicht besser werden. Es werden die Nöte der Arbeitslosen leider weiterbestehen und auch die der Flüchtlinge. Aber in all diesen Dingen gibt es die Hoffnung."

"Gott macht im Letzten alle Dinge gut", glaubt Schönborn. Man dürfe darauf vertrauen, "dass hinter allen Nöten und Schwierigkeiten immer noch das Licht der Hoffnung leuchtet". (APA, 1.1.2017)

  • "Die Hoffnung stirbt überhaupt nicht", sagt Kardinal Christoph Schönborn.
    foto: apa/afp/alexander klein

    "Die Hoffnung stirbt überhaupt nicht", sagt Kardinal Christoph Schönborn.

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