Ban Ki-moon, der Bemühte, tritt ab

31. Dezember 2016, 17:00
37 Postings

Der wenig charismatische Generalsekretär führte die UN in stürmischen Zeiten

Bei seinem letzten großen Auftritt vor den Vereinten Nationen zeigte Ban Ki-moon viel Gefühl. Der sonst eher spröde Generalsekretär erzählte aus seiner vom Koreakrieg (1950 bis 1953) erschütterten Kindheit. Bans Familie musste aus ihrem brennenden Dorf fliehen. Nach dem Töten im Land brachten die UN den Opfern Essen, Schulbücher, Hoffnung. "Ich bin ein Kind der Vereinten Nationen", sagte der Südkoreaner mit zerbrechlich wirkender Stimme.

Am 1. Jänner übernimmt der ehemalige portugiesische Premier António Guterres das Ruder. Bei der Vereidigungszeremonie Mitte Dezember gelobte Guterres, er werde "sein Äußerstes geben" um das Erbe seines Vorgängers zu ehren und zu wahren. Diplomaten aber stellen dem scheidenden Generalsekretär allenfalls ein mittelmäßiges Zeugnis aus. "Bemüht hat sich Ban ja schon, aber die Resultate sind doch dürftig", fasst ein Unterhändler zusammen, der namentlich nicht genannt werden will. Bans Vorgänger, der geschmeidige, rhetorisch bestechende Kofi Annan, galt vielen hingegen als "Rockstar" der internationalen Politik, sogar als "weltlicher Papst". Ihm gegenüber wirkte Ban noch ein bisschen biederer als er ohnehin schon war.

Ban konnte sich in den zehn Jahren an der UN-Spitze nie als oberster Vermittler in Szene setzen. Zuletzt tobten weltweit mehr als 30 Konflikte. Besonders das Scheitern der UN bei der Bewältigung des Bürgerkriegs in Syrien wird in Zukunft untrennbar mit dem Namen Ban Ki-moon verbunden sein. Seit 2012 ernannte er drei Syrien-Sondergesandte hintereinander. Sie sollten die verfeindeten Parteien an einen Tisch bringen und einen politischen Neustart aushandeln. Keiner brachte den ersehnten Erfolg. Freilich sind auch im UN-Sicherheitsrat die Möglichkeiten eines Generalsekretärs begrenzt; dort hält die Vetomacht Russland ihre schützende Hand über Syriens Machthaber Bashar al-Assad.

Auch auf anderen Politikfeldern schritt Ban nicht unbedingt mutig voran. Zwar versuchte er frühzeitig, das Thema Klimaschutz zu besetzen, zum Pariser Abkommen gegen die Erderwärmung trug er jedoch kaum etwas bei. Bei der Formulierung der UN-Agenda für den Kampf gegen Hunger und Armut wirkte Ban mit, er war aber nicht treibende Kraft. Und der New Yorker Flüchtlingsgipfel im September 2016 brachte fast nur Lippenbekenntnisse.

In Bans Amtszeit gab es auch so manchen diplomatischen Ausrutscher. So lud er 2014 den Iran zu einer Syrien-Konferenz ein – und kurz danach auf Druck der USA wieder aus. Auch beugte er sich dem finanziellen Druck Saudi-Arabiens und strich das Land von der Schwarzen Liste mit Verbrechen gegen Kinder.

Einsatz für Homosexuelle

Welche Erfolge kann Ban sich gutschreiben? Der frühere Direktor bei der UN-Konferenz für Handel und Entwicklung, Khalil Hamdani, führt als wichtigste die Renovierung des New Yorker Hauptquartiers an – eher keine politische Leistung.

Die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Samantha Power, strich Bans Kampf für Homosexuelle heraus. Nach anfänglichem Zögern habe sich Ban zu einem wahren "Verfechter" ihrer Rechte gemausert. Andere Diplomaten schreiben Ban sein Engagement für Frauen gut. Dennoch: Es ist kaum vorstellbar, dass Ban wie Dag Hammarskjöld oder Kofi Annan als "großer" Generalsekretär in die Annalen der Vereinten Nationen eingehen wird. (Jan Dirk Herbermann aus Genf, 31.12.2016)

  • Abschied von der großen Weltbühne: Ban Ki-moon.
    foto: ap / bebeto matthews

    Abschied von der großen Weltbühne: Ban Ki-moon.

Share if you care.