"Dokument:Fiktion": Die zweite Wahrheit

30. Dezember 2016, 15:48
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Im Salzburger Rupertinum werden Künstlerbücher und Fotografien gezeigt, die Wirklichkeit und Inszenierung thematisieren

Im Salzburger Rupertinum beschäftigt sich die Ausstellung Dokument:Fiktion mit dem Spannungsfeld dieser Beziehung in zeitgenössischen Bildkonzepten. Gezeigt werden Künstlerbücher und Fotografien, darunter bildjournalistische Arbeiten und solche, die Wirklichkeitsbezüge oder ihre Inszenierung thematisieren.

Martha Rosler realisierte die Foto-Text-Installation The Bowery in two inadequate descriptive systems (1974/75) auch als Künstlerbuch: Damals war die New Yorker Bowery ein Glasscherbenviertel mit zweifelhafter Reputation. Rosler fotografierte leerstehende Gebäude und Banken, die sie mit mehrdeutigen und assoziationsreichen Begriffen wie "paralyzed" oder "passed out" konfrontierte.

Ebenfalls 1975 erschien On Social Grease des deutschen Konzeptkünstlers Hans Haacke, eine Installation aus Plaketten mit Zitaten von Politikern und Geschäftsleuten wie Richard Nixon oder David Rockefeller zur US-Kunst.

Chronikales und Autobiographisches

In einer anderen Vitrine wird das Dokumentarische dem Inszenierten gegenübergestellt: Jede Fotografie ist natürlich ein Dokument, aber die Idee, dass sie ein rein dokumentarisches Medium sei, wurde bereits in den 1950ern durch Arbeiten von Künstlern wie Robert Frank obsolet. Frank ist im Rupertinum parallel zu Dokument:Fiktion eine große Werkschau gewidmet – der STANDARD wird berichten.

Ein weiterer Pionier der US-Fotografie ist Walker Evans, dessen Porträtaufnahmen in American Photographs (1938) eine beeindruckende Chronik der Großen Depression Mitte der 1930er-Jahre sind. Stark autobiografisch und von der Drogensubkultur geprägt sind hingegen die Fotos von Larry Clark, die in dem nach seiner Heimatstadt Tulsa benannten Buch zu finden sind.

Kunst und Werbung

Die kroatische Künstlerin Sanja Ivekovic beschäftigt sich mit Identität und Rollenbildern, indem sie etwa Privataufnahmen mit einer Werbung für Creme aus der Zeitschrift Brigitte konfrontiert.

Während der österreichische Medientheoretiker Richard Kriesche 1971 durch Schaltung von Anzeigen in der Zeitung Neue Zeit den Konnex zwischen Kunst, Kapitalismus und Medien thematisierte, gestaltete Isa Genzken unlängst eine Ausgabe der Tageszeitung Die Welt: In ihr ersetzen private Bilder und Collagen die gewohnten Abbildungen – und entwerfen eine neue Wirklichkeit. (dog, 30.12.2016)

Bis 26. 3., Salzburg, Rupertinum

www.museumdermoderne.at

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