Odin, die alte Schlafmütze

1. Jänner 2017, 08:00
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Es ist ja immer dasselbe, was Mölzer erzählt, diesmal hat er aber seine Rolle als Raumpfleger in Walhalla besonders ernst genommen

Um Weihnachten wird viel Kitsch produziert, das ist ja der Sinn des Festes. Immer geht es dabei irgendwie um das christliche Abendland, sei es als Revier, das es zu verteidigen gilt, sei es um einen Stachel im Fleisch Europas. Die "Kronen Zeitung" mit ihrem Christentum als zweiter Geschäftsgrundlage neben Ausländerfeindlichkeit sah sich heuer sogar zum Nachfeiern veranlasst.

Komm, süßer Jesus

Donnerstag präsentierte sie auf der Titelseite die weltweit süßeste Krippe, nämlich eine lebensgroße Schokolade-Krippe von TV-Konditorin Eveline Wild aus 300 Kilo der köstlichen Süßigkeit. Komm, süßer Jesus, konnten alle christlichen Naschkatzen ausrufen, sollen sie doch nach einer aktuellen Studie aufatmen: Wer Schokolade maßvoll genießt, ist weniger von Herzinfarkt bedroht.

Die Kombination von Jenseits- und Gesundheitsvorsorge war ganz im Sinne des geschäftsführenden Chefredakteurs, der sich in seiner Weihnachtskolumne bei der Geschäftsführung, aber auch sprachlich, ein wenig verirrte, indem er die Parole ausgab: Seit Jahrtausenden ist und bewegt das Weihnachtsfest die Menschen nicht nur in unseren Breiten am stärksten. Den unschlagbaren Beweis, weil es einen so unglaublich positiven, christlichen Ausgangspunkt hat, lieferte er dann mit der weltweit süßesten Krippe nach.

Endlich hat auch ihr religiöser Kolumnist klein beigegeben

Spirituelle Einkehr, wie zu Weihnachten angesagt, bedeutet in der "Krone" nur eines: Man gedenkt in Demut des Gründers. Wir haben uns an "Krone"-Gründer Hans Dichand orientiert, der schon vor Jahrzehnten die Devise ausgab: "Die gute Nachricht ist die bessere." Davon ist zwar im Jahreslauf nicht viel zu merken, zu Weihnachten aber doch.

Endlich hat auch ihr religiöser Kolumnist klein beigegeben und ist auf die FPÖ-kompatible Blattlinie eingeschwenkt: Kardinal Schönborn über Überforderung und Verunsicherung. Er gesteht ein: Umdenken in der Flüchtlingsfrage. Wenn das keine gute Nachricht war – was sonst? Nur fest dabei bleiben!

Heute keine Richard-Lugner-Geschichte

Der Anspruch, Evangelist zu sein, also der Überbringer einer guten Nachricht, erfüllte sich exemplarisch bescheiden auf Seite 42, wo in einem grauen Rahmen der Text zu lesen war: Hier hätte ein Bild von Richard Lugner erscheinen können. Um die Leserinnen und Leser der grausigen Ironie des Blattes nicht ungeschützt zu überlassen, folgte als Erklärung: Heute keine Richard-Lugner-Geschichte. Weihnachten ohne "Mörtel". Eigentlich hätte hier eine "Neuigkeit" über Richard Lugner stehen können. Die gute Nachricht ist die bessere: Heute gibt's mal keine Mörtel-Story. Hans Dichands Geist ist einfach nicht auszurotten.

Odin schläft nur

Die "Krone" kann das Ringen um den Glauben getrost Kardinal und Kräuterpfarrer überlassen, andere haben es da nicht so leicht. Andreas Mölzer brachte die morschen Knochen der Leser von "Zur Zeit" zum Zittern, als er auf dem Titelblatt statt eines süßen Jesus einen verwahrlosten Alten in Schlapphut abbildete, mit der bangen Frage: Schläft Odin nur? Das nur sollte zu der schwachen Hoffnung überleiten, die sich im Blattinneren erfüllte: Odin schläft nur.

Raumpfleger in Walhalla

Es ist ja immer dasselbe, was Mölzer erzählt, diesmal hat er aber seine Rolle als Raumpfleger in Walhalla besonders ernst genommen. Macht das Scheitern des Christentums Platz für vergessen geglaubte Mythen? Das Scheitern der FPÖ auch beim dritten Wahldurchgang kann schon abergläubisch machen, Odin muss jedenfalls am 4. Dezember geschlafen haben, aber noch muss nicht alles verloren sein. Germanisch-deutsches Freiheitsstreben, das alte Heilige Römische Reich Deutscher Nation als Basis für das spätere Abendland, unser Europa eben, das Spannungsfeld zwischen Kaiser und Reich auf der einen Seite, Papst und Kirche auf der anderen, die deutsche Zwietracht und der ständige Abwehrkampf gegen außereuropäische Aggressoren, ist all das wirklich belanglos für unser heutiges Leben, das heutige Europa und die gegenwärtige Identität der Deutschen?

Auf dieses Geschwurbel gibt es zum Glück eine klare Antwort: Ja! Und weil Odin es den Seinen im Schlaf gibt, weiß der Schwurbler das auch. Nun wäre die Idee des Wiederauflebens der alteuropäischen Kulte und Religionen, auch der der alten Germanen, zweifellos illusionär. Stärker im Glauben ist da ein gewisser Dr. Pierre Krebs, der die Sau ungeniert rauslässt. Das Christentum ist ein Stachel im Fleisch Europas, fremd für unser Gehirn und fremd für unsere Seele. Da fehlt einfach die Achtung der völkerbiologischen Gesetzmäßigkeiten. Also ab mit Mölzer ins Thule-Seminar. (Günter Traxler, 1.1.2017)

  • "Schläft Odin nur?" Cover von Andreas Mölzers "Zur Zeit".
    foto: zur zeit

    "Schläft Odin nur?" Cover von Andreas Mölzers "Zur Zeit".

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