Taxidienst Uber steigt ins Frachtgeschäft ein

30. Dezember 2016, 15:24
177 Postings

Geht es nach dem strittigen und streitbaren Taxidienst, will dieser künftig auch Fracht befördern – in Riesen-Lkws und ohne Fahrer

Der 26. Dezember war ein stiller Tag. Ausgerechnet für Uber, dem Taxidienst aus San Francisco, von dem man so gar keine leisen Töne gewohnt ist. An diesem 26. Dezember lancierte das IT-Unternehmen auf seiner Website sehr diskret und ohne öffentlichen Trommelwirbel eine Liste, in die sich potenzielle Kurier- und Lkw-Fahrer eintragen und anmelden können. Was dahinter steckt? Ein neuer Service. Uber geht mit "Uber Freight" in gewohnter Manier vor: Mit der Konkurrenz nicht zimperlich umgehen und sie mit Dumpingpreisen in die Knie zwingen. 2017 will man in das Frachtgeschäft einsteigen. Der Fahrdienstvermittler und Essenslieferant hat dafür im August das US-Start-up Otto um umgerechnet 650 Millionen Euro übernommen. Der Clou: Otto stellt selbst keine Lastwägen her, sondern rüstet bestehende technologisch so auf, dass die "Long Vehicles" mit ihren 18 Rädern in Zukunft autonom – und Mitbewerber an die Wand – fahren.

foto: afp/aether films

Berauschende Fracht

Getestet wurde Ende Oktober auf einer knapp 200 Kilometer langen Strecke in Colorado. Damit war erstmals eine Lkw-Fracht – in diesem Fall 50.000 Dosen Budweiser – autonom unterwegs. Aus Sicherheitsgründen wurde der Transport von einem nachfahrenden Sicherheitsfahrzeug begleitet. Auftraggeber Anheuser-Busch zeigte sich mehr als zufrieden. Nebenschauplatz: Nach erfolgreicher Fahrt wurde ein Teil der Bierdosen am Zielort unter den Mitarbeitern und –Verantwortlichen verteilt. Otto hatte eigens eine Serie Dosen mit entsprechender Aufschrift – "erste Zustellung durch einen selbstfahrenden Truck" – herstellen lassen.

foto: ap

Otto startete Anfang des Jahres mit 40 Mitarbeitern, heute sind es hundert. Ein Großteil kam von Technologieunternehmen wie Google, Apple, Tesla oder Cruise Automation. Mitbegründer von Otto, Lior Ron, war fünf Jahre zuvor maßgeblich an der Entwicklung von Google Maps beteiligt. Sein Partner Anthony Levandowski stieß aus Googles Abteilung für selbstfahrende Autos dazu.

Jahrzehnte bis zur Reife

Während sich Uber-Chef Travis Kalanick "aufgeregt" zeigt, ist Ron sicher, dass die Technologie die Branche sicherer mache. Aufgelegt, denn seiner Berechnung nach sind 94 Prozent der Unfälle auf menschliche Fehler zurückzuführen. Man wolle noch tiefer in die Materie eintauchen.

Neben dem Sicherheitsgedanken spielt natürlich der Wettbewerb eine Rolle. Bei "Uber Freight" sollen Angebot und Nachfrage den Preis bestimmen. Vermittlungsgebühren wie bei der Konkurrenz würden durch die Auftragsvergabe über die Internetplattform wegfallen, womit der Transport bei Uber um 15 bis 20 Prozent niedriger ausfallen könnte als bei den traditionellen Dienstleistern. Dass die Technologie des Autonomen Fahrens bei Schwertransportern noch längst nicht ausgereift ist, weiß man auch bei Uber. Dennoch, bei Partner Otto ist man zuversichtlich und denkt einen Schritt – wenn auch nur einen kleinen Schritt – weiter: Mittelfristig wolle man den Fuhrpark von sechs auf 15 Stück aufrüsten. (ch, 30.12.2016)

Share if you care.