2016: Überdurchschnittlich viele Erdbeben in Österreich

30. Dezember 2016, 14:18
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Heuer wurden deutlich mehr Erdbeben wahrgenommen als in den vergangenen Jahren. 1.250 Beben wurden insgesamt lokalisiert

Wien – 70 Erdbeben haben die Österreicher 2016 spürbar wahrgenommen, neun davon aus den Nachbarländern, hieß es am Freitag in der Bilanz der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). "Das ist deutlich über dem Durchschnitt der vergangenen 16 Jahre mit etwa 46 verspürten Beben pro Jahr", stellte Seismologe Helmut Hausmann fest. Ein langfristiger Trend zu mehr Beben sei das aber nicht.

Insgesamt wurden mit dem Stationsnetz des Österreichischen Erdbebendienstes der ZAMG 2016 weltweit rund 10.000 seismische Ereignisse registriert. 1.250 Erdbeben wurden in Österreich lokalisiert, davon konnten 61 von der Bevölkerung verspürt werden. "Die Zahl der gefühlten Beben in Österreich schwankt von Jahr zu Jahr stark. Denn tektonisch ruhige Phasen wechseln sich von Zeit zu Zeit mit aktiveren Perioden ab. 2015 und 2014 zum Beispiel gab es nur zwischen rund 40 und 50 verspürten Beben, 2013 waren das dagegen rund 70", schilderte Hausmann.

Bebenserien im Osten und Westen

Der Grund für die vielen in Österreich gemessenen und verspürten Beben im Jahr 2016 waren einige Bebenserien im Osten und Westen. "Alleine während der Erdbebenserie bei Seefeld wurden acht Beben von der Bevölkerung verspürt", sagt der ZAMG-Experte, "bei der Serie bei Alland sieben, und die Serie bei Klösterle brachte sechs spürbare Beben." Nur bei diesen zwei am stärksten spürbaren Beben des Jahres – bei Alland in Niederösterreich am 25. April und bei Klösterle in Vorarlberg am 31. Jänner – wurden vereinzelt leichte Risse im Verputz oder abgesplitterte Verputzteile gemeldet, aber keine strukturellen Gebäudeschäden.

Die mit Abstand meisten gefühlten Erdbeben, nämlich 24, ereigneten sich in Tirol. An zweiter Stelle liegt Niederösterreich mit 15 spürbaren Ereignissen. In der Steiermark und in Vorarlberg gab es heuer je sieben gefühlte Erdbeben, fünf ereigneten sich in Oberösterreich, zwei in Kärnten und eines im Burgenland. In Kärnten gab es auch 2016 wieder deutlich weniger Erdbeben als im langjährigen Durchschnitt.

Beben aus Italien registriert

Darüber hinaus wurden in Österreich vier der zum Teil verheerenden Erdbeben aus der Region Mittelitalien registriert. Die Erdbebenserie wurde durch den schweren Erdstoß (Magnitude 6,0) am 24. August eingeleitet. Zwei Ereignisse wurden aus der Schweiz sowie jeweils eines aus Deutschland, Slowenien und Liechtenstein wahrgenommen. Diese Beben waren in Österreich relativ schwach zu spüren. (APA, red, 30.12.2016)

Die stärksten Erdbeben 2016

Ein kräftiges Erdbeben der Magnitude 3,0 wurde am 15. Jänner um 21.43 Uhr von zahlreichen Personen im Tiroler Inntal, im Stubaital und im Wipptal verspürt. Das Epizentrum lag nördlich von Fulpmes. Es gingen etwa 1.400 Meldungen über das Online-Wahrnehmungsformular ein, davon stammten etwa 600 aus Innsbruck. In Einzelfällen wurde von umgefallenen Gegenständen berichtet. Die Intensität erreichte vier bis fünf Grad auf der zwölfstufigen Europäischen Makroseismischen Skala (EMS-98) bestimmt.

Im Raum Klösterle in Vorarlberg wurden in den ersten drei Monaten des Jahres insgesamt sechs Erdbeben verspürt. Das erste und zugleich stärkste ereignete sich am 31. Jänner um 23.43 Uhr mit einer Magnitude von 3,6. Es konnte von vielen Personen im Klostertal, Paznauntal, Montafon und im Kleinwalsertal zum Teil kräftig verspürt werden. In Einzelfällen wurden leichte Risse im Verputz gemeldet. Die Intensität erreichte 5 Grad auf der EMS-98.

Am 6. Februar wurde um 16.37 Uhr das erste spürbare Nachbeben mit einer Magnitude von 2,5 und einer Intensität von 3 Grad beobachtet. Nach zwei sehr schwach verspürten Beben folgte am 17. Februar um 21.17 Uhr wieder ein kräftiges Erdbeben der Magnitude 3,0, das besonders in Klösterle, Wald am Arlberg und Dalaas von vielen Personen wahrgenommen wurde. Die Intensität betrug vier Grad auf der EMS-98.

Den Abschluss dieser Serie bildete ein Nachbeben der Magnitude 2,5 am 13. März um 21.00 Uhr, das ebenfalls deutlich von der Bevölkerung verspürt wurde.

Das Beben bei Alland im Wienerwald, das am 25. April mittags um 12.28 Uhr weite Teile Ostösterreichs erschütterte, war mit einer Magnitude von 4,1 das stärkste Erdbeben des Jahres in Österreich. Beim Erdbebendienst der ZAMG langten knapp 5.000 Meldungen ein. Die Erschütterungen im Bereich des Epizentrums waren so heftig, dass sich viele Menschen ängstigten. Vereinzelt fielen kleine, wenig standfeste Gegenstände wie etwa Vasen um. Fallweise wurden leichte Gebäudeschäden wie Haarrisse im Verputz und abgesplitterte Verputzteile festgestellt. Auch in Wien konnte man ein leichtes Schwanken vor allem in höheren Stockwerken spüren. Die Epizentralintensität erreichte fünf Grad auf der EMS-98. Das Hauptbeben wurde von 58 Vor- und Nachbeben in den folgenden Tagen und Wochen begleitet, von denen aber nur ein Vorbeben und drei Nachbeben von der Bewohnern leicht verspürt wurden.

Im Raum Seefeld – Zirl in Tirol wurden am 22. Juli zwischen 12.20 und 14.06 Uhr sechs Erdbeben von der Bevölkerung wahrgenommen. Das stärkste ereignete sich um 13.58 Uhr, hatte eine Magnitude von 3,2 und wurde mit einer Intensität von vier Grad auf der EMS-98 deutlich verspürt. Die übrigen Beben wurden etwas schwächer wahrgenommen.

Drei Tage später, am 25. Juli, folgte um 14.05 Uhr das kräftigste Beben dieser Serie. Bei einer Magnitude von 3,5 wurde eine Intensität von vier bis fünf Grad erreicht. Die Erschütterungen waren zum Teil erschreckend. Es wurde von umgefallenen Gegenständen berichtet. Zwei Minuten später folgte ein schwaches Nachbeben mit einer Magnitude von 2,3.

Diese Serie wurde von 127 schwachen, nur instrumentell registrierten Erdbeben begleitet.

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