Graz-Wahl: Reger Stimmenfang auf Facebook und Twitter

30. Dezember 2016, 11:27
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Nagl mit mehr als 7.000 Likes auf Facebook vorne – Wirnsberger bei Twitter mit den meisten Followern

Kein Wahlkampf ohne Facebook und Twitter – längst gehören Auftritte in sozialen Netzwerken im Internet zu den Kampagnen der Stimmenfänger. Unter den Spitzenkandidaten für die Grazer Gemeinderatswahl liegt Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) Ende Dezember mit rund 7.000 Likes mit Abstand auf Platz eins. Auf Twitter dagegen hat Tina Wirnsberger (Grüne) mit über 1.600 Followern die Nase unter den Kandidaten vorne.

Nagl sowie auch die meisten anderen Kandidaten zeigen sich auf ihren Profil- und Titelbildern in den sozialen Netzwerken mit professionell gemachten Porträts, manche haben das Rathaus im Hintergrund (Nagl) oder gleich die ganze Stadt von oben (Wirnsberger). Neu ist der Look von Vizebürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ), die nun sowohl im Internet als auch auf ihren neuen Plakaten im seriösen Business-Outfit statt wie früher mit Blümchen-Bluse und Strickpullover auftritt.

Täglich Post(ings) von Nagl

Bürgermeister Nagl teilt beinahe täglich ein Posting. Darunter finden sich sowohl Fotos von seinen Terminen als Stadtoberhaupt – zum Beispiel Besuche in der Geriatrie oder auch Interviews mit Journalisten – als auch persönlichere Inhalte: Vor Weihnachten zeigte sich Nagl familiär im Pullover beim Christbaum-Schmücken. Ordentlich gemachte Videos, etwa mit Weihnachtsgrüßen zum Heiligen Abend, sowie vereinzelte Live-Schaltungen runden das Spektrum der angebotenen Postings ab. In der Info auf Facebook finden sich auch ein paar private Details, etwa über den Musikgeschmack des Bürgermeisters sowie seine sportlichen Ambitionen.

Auf Twitter dagegen findet sich bei Nagl im Vergleich zu Facebook nichts Neues: Täglich werden Links zu den Inhalten auf Facebook getwittert, das war's aber auch. Dafür hat der Bürgermeister mehr als 1.000 Follower auf Twitter. Wirnsberger, Spitzenkandidatin der Grünen, dagegen hat mehr als 600 Follower mehr als Nagl. Sie ist fleißig beim "Retweeten" und liefert daher auf Twitter mehr Inhalte als der Bürgermeister.

Auf Facebook hat Wirnsberger jedoch mit gut 2.300 Likes deutlich weniger "Gefällt mir"-Angaben als Nagl. Sie postet auch nicht jeden Tag Inhalte, dennoch schöpft sie so gut wie alle Möglichkeiten wie Fotos und Videos aus. Aufgefallen ist eine an sie gerichtete Nachricht eines anderen Facebook-Mitglieds: Der Mann hatte ihr sexistische Zeilen geschickt, die Wirnsberger prompt samt seinem Profilbild und seinem Vornamen veröffentlichte. Ansonsten ist ihre Facebook-Seite mit der Kernbotschaft "Nein zum Murkraftwerk" und Einladungen zu Veranstaltungen wie etwa den "Green Brunch" gefüllt.

Neuer Look bei Kahr

Abgesehen von Kahrs neuem Look kann sie auf Facebook auch mit mehr als 4.000 Likes auftrumpfen. Auch sie teilt ihren "Freunden" beinahe täglich etwas mit. Häufig handeln ihre Postings von Petitionen sowie von den Themen Wohnbeihilfe und Murkraftwerk, auf die sich die KPÖ schon in den vergangenen Monaten festgebissen hatte. Auf der Facebook-Seite der Vizebürgermeisterin wird außerdem unter "Info" deutlich gemacht, dass nicht sie selbst, sondern Mitarbeiter die Seite betreuen. Auf Twitter ist Kahr unter "KPÖ Graz" zu finden. Die Grazer Kommunisten zählten Ende Dezember 320 Follower.

Die FPÖ, die schon früh in den sozialen Netzwerken sehr aktiv war, präsentiert sich auf Facebook mit allem, was das Medium zu bieten hat. Spitzenkandidat Mario Eustacchio lässt jede Pressekonferenz live übertragen und die Grazer Blauen nutzen etwa die Video-Formate für "Faktenchecks". Die Inhalte sind bei der FPÖ gerne in einfache Grafiken mit Animationen verpackt. Herzensangelegenheiten werden ebenfalls angesprochen etwa mit Tierspendensammeln mit einem Foto eines Hundewelpen oder Bilder vom Keksebacken eines Kindes mit seiner Oma. Aufgefallen ist ein Link zur neuen Website der Grazer FPÖ: Die Domain lautet www.buergermeister-neu.at.

Wenig Follower

Auf Twitter ist Eustacchio ebenfalls aktiv, hat aber Ende Dezember überschaubare rund 160 Follower. Noch weniger hat Michael Ehmann mit der SPÖ Graz: Sie bringt es gerade einmal auf gut 40 Follower. Die Grazer Roten sind aber auch erst seit Dezember auf Twitter vertreten. Auf Facebook dagegen hat Ehmann bereits mehr als 5.555 Likes. Ähnlich wie die anderen Parteien gab es auch von ihm Weihnachts-Grüße per Video. Besonders beliebt sind seine Einladungen zu gratis Theater- oder Kinoabenden, deren Tickets an jene vergeben werden, die die entsprechenden Beiträge auf Facebook rasch kommentieren. Damit nutzt die SPÖ eine ansonsten bei Unternehmen beliebte Möglichkeit der Reichweitengewinnung.

Die Grazer Piraten mit Spitzenmann Philip Pacanda nutzen Facebook zum Promoten ihres "Bürgerbudgets". Mit rund 400 Likes ist Pacandas Anhängerschaft überschaubar. Er postet alle paar Tage, ist aber auch auf Twitter vertreten. Dort hat er mit knapp 900 Followern mehr Zuspruch als auf Facebook und war bereits im Juni 2009 beigetreten. Pacanda fiel in der vergangenen Legislaturperiode als fleißiger Twitter-User auf, vor allem aus dem Gemeinderatssitzungssaal schickte er gerne Tweets und hielt seine Follower damit am Laufenden.

Niko Swatek, Listenerster bei den NEOS, hinkt mit seinem Facebook-Auftritt noch etwas hinterher. Eine eigene Seite als Politiker hat er bisher nicht, nur eine private. Dafür ist er auf der Seite der NEOS Steiermark, die knapp 3.000 Likes hat, zu finden. Die Pinken warten mit professionell gemachten Videos auf und posten alle paar Tage. Auf Twitter ist Swatek ebenfalls als Privatperson zu finden. Er hat dort knapp 500 Follower. (APA, 30.12.2016)

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