"Bild"-Boss Kai Diekmann verlässt Springer nach 30 Jahren

30. Dezember 2016, 11:13
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Kopf und Gesicht des Boulevardriesen mit Hang zur Selbstinszenierung geht per 31. Jänner 2017 "auf eigenen Wunsch"

Berlin/Wien – Er war Kopf und Gesicht von "Bild": Kai Diekmann (52), Herausgeber und langjähriger Chefredakteur von "Bild", verlässt den Verlagskonzern Axel Springer nach 30 Jahren in dessen Diensten. Ziel: noch ungenannt, nur doch etwas allgemeine "neue Aufgaben außerhalb des Unternehmens".

Diekmann führte und prägte den deutschen Boulevardriesen seit 16 Jahren. Er verlasse Springer auf eigenen Wunsch, ließ der Konzern verlauten. Die Belegschaft wurde Freitag um elf Uhr über den Abgang informiert.

"Manche hatten Tränen in den Augen"

"Alle waren völlig überrascht", schildern Teilnehmer Diekmanns Fünf-Minuten-Rede im "Bild"-Newsroom am Freitag: "Manche hatten Tränen in den Augen."

"Es war mir eine Ehre": Diekmanns Abschiedstweet.

"Die Bild-Zeitung ohne Diekmann – geht das?" fragte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" im November 2015, als der langjährige "Bild"-Kopf mit Hang zur Selbstinszenierung die Chefredaktion an Tanit Koch übergab. Da blieb er noch Herausgeber der "Bild"-Gruppe. Nun muss das Blatt mit den Wuchtschlagzeilen zeigen, dass das geht.

Europas auflagenstärkste Zeitung

"Bild" ist laut Weltverband der Zeitungen Europas auflagenstärkste Tageszeitung. In den "World Press Trends 2016" führt der Verbands sie mit 2,2 Millionen Verkaufsauflage auf Platz 16 unter den 20 größten Blättern der Welt, als einziges aus Europa.

Von 4,5 Millionen auf zwei

Diekmann wurde Anfang 2001 Chefredakteur von "Bild". Vor seinem Dienstantritt verkaufte die "Bild" (Montag bis Samstag) laut deutscher Auflagenkontrolle IWV im dritten Quartal 2000 4.483.921 Exemplare.

Inzwischen weist "Bild" seine Gesamtauflage nur noch kombiniert mit der Berliner Springer-Boulevardzeitung "B.Z." aus. Im 3. Quartal 2016 lang diese kombinierte "Bild"/"B.Z."-Verkaufsauflage bei 1.962.726 Exemplaren.

Zeitungsauflagen in Europa gehen seit Jahren laufend zurück, und hochauflagige Massenblätter trifft der Trend besonders stark. Dennoch ist der Rückgang um mehr als die Hälfte markant. "Bild" war in Deutschland nicht mit der Konkurrenz von Gratistageszeitungen konfrontiert (bis auf kurze Anläufe in den 1990ern) – im Gegensatz etwa zur "Krone" in Österreich – mit "Heute" und "Österrreich" ab 2004 beziehungsweise ab 2006.

Drei Jahrzehnte Springer

Kai Diekmann kam 1985 zu Axel Springer, um eine Ausbildung an der Axel Springer Journalistenschule zu absolvieren. Seitdem ist er mit kurzen Unterbrechungen für das Unternehmen tätig: zunächst als "Bild"- und "Bild am Sonntag"-Parlamentskorrespondent, später als stellvertretender Chefredakteur der Springer-Zeitung "B.Z." sowie als "Bild"-Politikchef und Chefredakteur der "Welt am Sonntag".

2001 übernahm Diekmann die "Bild"-Chefredaktion und später zusätzlich zum Herausgeber der gesamten "Bild"-Gruppe berufen wurde. Ende 2015 gab er die Funktion des "Bild"-Chefredakteurs ab und übernahm als Herausgeber die Führung der Chefredakteure, die übergeordnete Steuerung der "Bild"-Angebote sowie der publizistischen Ausrichtung und Weiterentwicklung der "Bild"-Marken. (red, 30.12.2016)

  • Kai Diekmann verlässt Axel Springer.
    foto: apa/dpa/sebastian gollnow

    Kai Diekmann verlässt Axel Springer.

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