Warum 2016 ein hartes Jahr für Apple-Fans war

30. Dezember 2016, 10:04
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Die radikale Beseitigung älterer Schnittstellen stößt viele User vor den Kopf – und direkt in die Adapterhölle

Immer noch scheffelt Apple viel Geld mit seinen Produkten. Allerdings musste man heuer Einbußen verzeichnen. Erstmals gingen die iPhone-Verkäufe zurück und damit auch die Gewinne, denn das Smartphone ist die wichtigste Cashcow für den kalifornischen Konzern.

Doch es gibt etwas, das der Firmenführung rund um CEO Tim Cook möglicherweise größeres Kopfzerbrechen bereiten sollte, als etwas schlechtere Geschäftszahlen: Der Unmut der loyalen Fans. Lange wurde Apple nachgesagt, dass viele seiner Kunden ein beinahe religiöses Verhältnis zu Marke und Produkten pflegten. Doch dieser Nimbus hat heuer Risse bekommen.

Bis zum Spätsommer schien es gar nicht so schlecht zu laufen. Im März stellte Apple ein kleineres iPad Pro vor, das die Nachfolge des iPad Air 2 antrat. Die Verheißung, einen Laptop ersetzen zu können, erfüllte es zwar eben so wenig wie das große Modell, aber zumindest hat man seitdem zwei Tablets im Programm, die Stifteingabe unterstützen und ein Notebook zumindest in "leichten" Nutzungsszenarien ersetzen können.

Das iPhone 7 und die Klinkenposse

Der sichtbare Teil der Misere begann mit dem iPhone 7. Wenngleich es sich generell um ein sehr gutes Smartphone handelt, war es der Vorbote in das von Apple heuer geschaffene "Dongleversum", wie es Engadget formuliert. Mit der Meinung, dass die Entfernung der 3,5mm-Audioklinke zu Ungunsten klassischer Kopfhörer ein "couragierter" Schritt sei, blieb Apple weitestgehend alleine.

Und als wäre die Notwendigkeit, für die bisherigen Lieblingskopfhörer nun einen Adapter anschließen zu müssen, nicht schon ärgerlich genug, verkündete Apple zeitgleich auch noch seine Vision der künftigen, drahtlosen Musikübertragung mit den Airpods. Diese wiederum verspäteten sich und sind erst seit Monatsanfang verfügbar, erfreuen sich aber laut Tim Cook immerhin hoher Nachfrage.

Neue Macbooks als Tor in die Adapterhölle

Apples "Entfremdung" von seinem eigenen Publikum wurde allerdings mit den neuen Macbooks erst richtig deutlich. Das Macbook Air und den iMac hat man bislang ignoriert, was angesichts der schon gealterten Hardware in den aktuellen Modellen nicht gerade eine Kaufempfehlung darstellt. Aufgefrischt hat man die Macbook Pro-Reihe und damit abermals ein Tor in die Adapterhölle aufgestoßen.

Die neuere Hardware, der bessere Bildschirm und die Reduktion von Größe und Gewicht sind willkommene Neuerungen, die Touchbar auf den teureren Modellen hat Potenzial. Die klassischen USB-Anschlüsse sind dafür eben so passé wie die Thunderbolt-Ports, der SD-Kartenleser und der HDMI-Ausgang der 2014er-Generation. Selbst den von vielen geliebten Magsafe-Ladeanschluss hat Apple ausgespart.

Wer nicht mit vier USB-C-Ports (und der immerhin übrig gelassenen Audioklinke) auskommt, muss zu einem Dock greifen. Auch, um so manche gar nicht so alten Zusatzgeräte von Apple selbst anschließen zu können. Selbst für das iPhone 7 braucht man ein zusätzliches Kabel, denn das dem Handy beigelegte besitzt noch einen klassischen USB-A-Stecker.

"Entfremdung" der Zielgruppe

Ein Vorgehen, dass gerade gegenüber der Zielgruppe – die Pro-Modelle sind eigentlich für jene konzipiert, die ihre Notebooks beruflich verwenden – unverständlich ist. Diese steht nun vor drei Entscheidungsmöglichkeiten, die alle ihre Tücken mitbringen. Entweder ein neues Macbook kaufen und schnellere Hardware erhalten, ein 2014er-Modell erwerben und die Anschlussmöglichkeiten behalten oder zur Konkurrenz wechseln.

Letztere Karte scheint von manchen tatsächlich gezogen zu werden. Laut Microsoft hatte die Surface-Reihe heuer ihr bislang stärkstes Jahr und nach der Enthüllung der neuen Macbook Pro-Modelle soll auch das Macbook-Trade-in-Programm in den USA viel Zulauf erfahren haben. Konkrete Zahlen wurden jedoch nicht genannt, die Angaben sind also mit Vorsicht zu genießen.

Akku-Misere

Mittlerweile kommt für Apple ein weiteres PR-Problem hinzu: Bei einigen Akkutests, inklusive jenen der renommierten Organisation Consumer Reports, zeigt das neue Macbook Pro trotz gleicher Bedingungen extreme Schwankungen bei der Laufzeit. Ein Problem, das Apple aus eigenen Laborversuchen nicht nachvollziehen kann. Mittlerweile versucht man dem Problem gemeinsam mit Consumer Reports auf den Grund zu gehen.

Krampfhafte Innovation ist kundenfeindlich

Beim Einsparen und Ersetzen von Anschlussmöglichkeiten mit neueren Technologien ist Apple schon länger Vorreiter. Lange hat man dabei auch ein gutes Timing bewiesen. Die einst heiß diskutierte Abschaffung des integrierten DVD-Laufwerks hat etwa der Popularität der Macbooks keinen Abbruch beschert.

Nunmehr, so scheint es, hat der Konzern sein Augenmaß aber verloren. Es mag kein Zweifel bestehen, dass USB-C und USB 3 die Zukunft sind, zumal darüber künftig nicht nur Mäuse und Speichersticks, sondern auch Bildschirme und andere größere Peripherie angeschlossen wird. Doch so radikal, wie Apple die Umstellung vollzieht, scheint das eigene Image als Innovator wichtiger geworden zu sein, als die Bedürfnisse der Nutzer. Und dass kundenfeindliches Verhalten nicht gerade hilfreich dabei ist, die eigene Führungsposition zu festigen, haben in der Vergangenheit auch schon andere IT-Größen lernen müssen. (gpi, 30.12.2016)

  • Mit zu radikalen Schritten gefährdet Apple mittlerweile seinen über viele Jahre erarbeiteten, guten Ruf.
    foto: apa/afp/josh edelson

    Mit zu radikalen Schritten gefährdet Apple mittlerweile seinen über viele Jahre erarbeiteten, guten Ruf.

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