"Spiegel": Holocaust-Forscher zählen mehr jüdische deutsche Opfer

29. Dezember 2016, 19:00
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Zahl auf 175.191 korrigiert – 90 Prozent starben in Vernichtungslagern im Osten

Berlin/Wien – Holocaust-Forscher haben nach einem Bericht des "Spiegels" die Zahl der in Deutschland lebenden jüdischen Opfer nach oben korrigiert. Das Bundesarchiv ermittelte demnach Einzelschicksale der Juden, die im Deutschen Reich wohnten und dem Holocaust zum Opfer fielen. Bisher seien Forscher von 160.000 Ermordeten ausgegangen, aber jetzt auf 175.191 Opfer gekommen.

Fast 90 Prozent starben laut dem Bericht in Vernichtungslagern im Osten. Andere hätten ihr Leben auf dem Gebiet des Deutschen Reiches verloren, wie Nicolai Zimmermann vom Bundesarchiv laut "Spiegel" berichtete.

Juden in Deutschland konnten sich demnach länger auf eine Emigration vorbereiten als die jüdischen Gemeinden in den überfallenen Ländern, die daher oft höhere Verluste erlitten. In Griechenland zum Beispiel überlebten nur 18 Prozent der jüdischen Bevölkerung, in Deutschland dagegen 73 Prozent, wie Zimmermann dem Bericht zufolge in der "Zeitschrift für Geschichtswissenschaft" schrieb.

Etwa 60.000 österreichische Juden wurden Opfer des nationalsozialistischen Genozids. 1934 hatte Österreich bei der Volkszählung 191.481 Juden gezählt. Nicht berücksichtigt wurden dabei allerdings jene Personen jüdischer Abstammung, die von den Nationalsozialisten als "Viertel-" und "Achteljuden" ebenfalls verfolgt wurden. Diese Anzahl betrug 1938 etwa 25.000 Personen.

Insgesamt fielen dem Holocaust rund sechs Millionen Menschen zum Opfer, darunter mindestens 1,5 Millionen Kinder.

Die Pressestelle des Bundesarchivs in Koblenz war kurz vor dem Jahreswechsel für Nachfragen nicht erreichbar. (APA, 29.12.2016)

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