Babyweglegung am Flughafen: Frau nach Haft illegal im Land

30. Dezember 2016, 09:00
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Nigerianerin erlitt am Wiener Flughafen Fehlgeburt, nun fehlen Papiere für Ausreise

Wien/Minsk – Anfang November erregte der Fall einiges Aufsehen – und hatte in Foren sowie sozialen Medien so manchen böswilligen Kommentar zur Folge: Eine 27-jährige Nigerianerin (Name der Redaktion bekannt) habe auf einer Toilette des Schwechater Flughafens ein Kind geboren und es anschließend in den Mistkübel gelegt, wurde berichtet. Das Neugeborene, ein Mädchen, starb. Die Mutter kam ins Spital – und vier Tage später in Untersuchungshaft nach Korneuburg.

Dort blieb sie nur zehn Tage lang. Am 24. November wurde sie gegen Kaution enthaftet; die 5000 Euro legte ihr Anwalt aus. Sie übersiedelte in ein Heim der Caritas, das alleinstehenden Frauen Obdach gibt. Ende November wurden die Ermittlungen gegen sie wegen Tötung eines Kindes eingestellt: Die Mutter, auf dem Weg aus der weißrussischen Hauptstadt Minsk nach Miami, habe die Fehlgeburt im Transit in Wien erlitten und das Kind in ihrer Panik weggelegt. Das Baby, eine Sturzgeburt im sechsten Monat, sei nicht lebensfähig gewesen.

Weiter Probleme

Doch damit waren die Probleme der 27-Jährigen keineswegs zu Ende – "nicht nur seelisch, weil sie erst einen Abortus hatte und anschließend in einem für sie fremden Land in Haft war", schildert eine Mitarbeiterin der evangelischen Seelsorge, die sich seither um sie kümmert, dem STANDARD. Überdies sei die Nigerianerin illegal im Land: "Sie hat keinerlei offizielle Bestätigung ihres hiesigen Aufenthalts."

Das, so die Seelsorgerin, schaffe Unabwägbarkeiten in Zusammenhang mit der geplanten Abreise der Frau. Diese habe sich psychisch ein wenig erholt und wolle nun zurück nach Weißrussland fliegen, wo sie Medizin studiere. Doch die Frage sei: "Kann sie ohne Aufenthaltspapiere überhaupt ausreisen?"

Ticket nach Minsk

Die Nigerianerin solle bei der Ausreise "das Entlassungsdokument aus der U-Haft vorzeigen", erfuhr die Seelsorgerin beim zuständigen Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl. Gebe es Probleme, solle sie sich telefonisch melden. "Ist es sinnvoll, eine für unschuldig befundene Drittstaatsangehörige de facto in die Illegalität zu schicken?", fragt sich die Seelsorgerin nun. Auch das Ticket nach Minsk wird sie aus eigener Tasche bezahlen müssen: Die Frau aus Nigeria sei "völlig mittellos. Ohne Hilfe von NGOs und Privaten wäre sie nach der Haft wohl auf der Straße gelandet." (Irene Brickner, 30.12.2016)

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