Silvester 2016: Prosit unter Polizeischutz

30. Dezember 2016, 17:32
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Minialarme für Frauen, Polizisten mit Sturmgewehren und Kameras überall – zu Silvester herrscht in Wien Hochrisikostufe

Wien – Aus sicherheitstechnischer Sicht sind die Feiern zum Jahreswechsel ein Albtraum. 600.000 Menschen werden am Samstag allein auf dem Wiener Silvesterpfad zur größten 2017er-Party des Landes erwartet. Sie alle zu schützen ist unmöglich. Doch Sicherheitsbehörden und Veranstalter (Stadt Wien Marketing) tun ihr Möglichstes.

Im Gegensatz zum Vorjahr gibt es heuer keine spezielle Terrorwarnung. Im Dezember 2015 hatten Geheimdienste mitgeteilt, dass es Infos über geplante Anschläge in europäischen Hauptstädten gebe. Die Sicherheitsvorkehrungen wurden daraufhin überall enorm verschärft. In Moskau etwa war erstmals der Rote Platz vor dem Kreml für die Öffentlichkeit gesperrt. Viele Feuerwerke in ganz Europa wurden abgesagt.

Auch ohne konkrete Warnung sind die Sicherheitsvorkehrungen wenige Wochen nach dem Lkw-Anschlag in Berlin auf dem höchsten Niveau. Die Wiener Polizei schickt 400 bis 500 Beamte auf den Silvesterpfad, darunter auch mit Sturmgewehren bewaffnete Sondereinheiten und die Einsatzgruppe zur Bekämpfung der Straßenkriminalität. Ein Teil der Beamten wird in Zivil unterwegs sein, sie haben die Aufgabe, etwaiges "Antanzen", also sexuelle Übergriffe auf Frauen, und Vermögensdelikte zu unterbinden.

Videoüberwachung in Einsatzzentrale

Seit Tagen verteilt die Polizei auch in anderen Städten in Österreich sogenannte Taschenalarme an Frauen, die im Notfall ausgelöst werden können. Die zum Nulltarif abgegebenen Geräte, die 110 Dezibel produzieren, sollen Täter abschrecken und die Umgebung aufmerksam machen.

Bei Bedarf kann die Wiener Polizei jederzeit zusätzliches Personal aus der Präsenzbereitschaft mobilisieren. Am Hof, im Herzen der Bundeshauptstadt, wurde gemeinsam mit der Stadt Wien eine Einsatzzentrale eingerichtet. Ihr Kern ist eine Videoüberwachungsanlage, die auf dutzende extra installierte Kameras zugreifen kann. Bei drohender Gefahr wird auf polizeiliche Anweisung hin aufgezeichnet.

foto: apa
Auf dem Wiener Silvesterpfad werden 600.000 Besucher erwartet.

Alle Besucher des Silvesterpfades unterwerfen sich der Platzordnung, die auf der Homepage von Wien-Event abrufbar ist. Hunderte Ordner sollen für den reibungslosen Ablauf der Massenparty sorgen, sie sind auch berechtigt, Taschenkontrollen durchzuführen. Die Mitnahme von Raketen und Knallern sowie von Alkohol und gefährlichen Gegenständen wie Stangen ist grundsätzlich nicht erlaubt. Auch Tiere werden mit Ausnahme von ausgewiesenen Blindenführ- und Partnerhunden nicht auf den Silvesterpfad gelassen.

Notrufe priorisiert

Bei allen organisatorischen Sicherheitsvorkehrungen appelliert die Polizei auch an die Besucher selbst, zu einem friedlichen Jahreswechsel beizutragen und bei Zwischenfällen nicht wegzuschauen. Für Notfälle werden die Notrufe 133 (Polizei) und 112 (Euronotruf) in Erinnerung gerufen.

Laut Forum Mobilkommunikation werden alle Kurznotrufnummern, also auch 122 (Feuerwehr) und 144 (Rettung), priorisiert, wenn die Netze rund um den Jahreswechsel ausgelastet sind. Sollte in dünnbesiedelten Gebieten das Signal des Vertragsnetzes nicht ausreichend sein, suche sich das Mobiltelefon automatisch ein anderes Netz. Zu Silvester soll das übertragene Datenvolumen heuer erstmals fünf Millionen Gigabyte in Österreich überschreiten. (Michael Simoner, 30.12.2016)

Feuerwerk, Kracher und Strafen:

Es so richtig krachen zu lassen gehört für viele immer noch zum Jahreswechsel dazu. Das kann allerdings teuer werden. Verstöße gegen das Pyrotechnikgesetz werden in Österreich mit bis zu 3.600 Euro geahndet. Im Ortsgebiet ist alles verboten, was laut ist und/oder fliegen kann. Grundsätzlich gibt es vier Kategorien von Feuerwerkskörpern: Zu F1 (ab zwölf Jahre erhältlich) gehören u. a. Wunderkerzen und Knallerbsen. F2 (ab 16 Jahre) sind Kracher mit geringem Lärmpegel oder Batteriefeuerwerke. In die Kategorien F3 und F4 (ab 18 Jahre) fallen viele Raketen sowie Feuerräder und -fontänen. Laut Gesetz muss man dafür Sach- und Fachkenntnis nachweisen. Illegal importierte Böller haben häufig die Sprengkraft von Handgranaten, schon der Besitz kann eine Vorstrafe einbringen.

  • Ein Bild aus dem Vorjahr: Einsatzkräfte der Polizei auf dem traditionellen Silvesterpfad in der Wiener Innenstadt.
    foto: apa/punz

    Ein Bild aus dem Vorjahr: Einsatzkräfte der Polizei auf dem traditionellen Silvesterpfad in der Wiener Innenstadt.

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