Schneeerzeugung: Der Winter kommt aus der künstlichen Wolke

30. Dezember 2016, 13:37
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Die neue Art der Schneeerzeugung feiert 2017 ihre Markteinführung, noch laufen Tests

Innsbruck – Grüne Berge, mancherorts von weißen Kunstschneebändern durchzogen – so sieht der Winter derzeit in Tirol aus. Michael Bacher, Geschäftsführer der Neuschnee GmbH, denkt, dass verschneite Landschaften in den Alpen immer seltener werden. Daher tüftelt er mit seinen Kollegen seit zwei Jahren in Obergurgl im hinteren Ötztal an einer neuen Art der Schneeerzeugung, mit der er ab dem kommenden Jahr die Zukunft des Wintertourismus einläuten will.

Mittels einer künstlichen Wolke produzieren Bacher und sein Team natürlichen Schnee. Im Gegensatz zum Kunstschnee aus der Kanone weist das Weiß aus der Wolke alle Eigenschaften echten Schnees auf – er ist leichter als Kunstschnee und lässt sich auch zum Schneemannbauen verwenden. Denn ganz nach dem Vorbild der Natur wachsen im ballonartigen Gebilde echte Schneekristalle. Haben diese eine gewisse Größe erreicht, fällt unten echter Pulverschnee aus dem Ballon.

Noch befindet sich die künstliche Wolke in der Testphase. Doch schon im kommenden Jahr ist die Markteinführung geplant, sagt Bacher: "Wir wollen rund 1000 Liter Wasser pro Stunde in Schnee transferieren." Erklärtes Ziel sei es, fünf bis sieben Kubikmeter Pulverschnee pro Stunde zu erzeugen.

Schneeerzeugung auf kleinem Raum

Diese Menge reicht nicht aus, um ein Skigebiet zu versorgen. Doch Bacher plant ohnehin anderes: "Wir konzentrieren uns auf Mikroanwendungen in Skigebieten, auf sogenannte Neuschneeparks." Dabei wird auf kleinem Raum kontinuierlich Schnee erzeugt. "Das ist die Zukunft des Wintertourismus", ist Bacher überzeugt.

Reine Kunstschneepisten würden passionierte Wintersportler nur bedingt reizen. Zudem werde man in Zukunft aufgrund steigender Temperaturen nicht mehr fähig sein, große Skigebiete flächendeckend künstlich zu beschneien. Daher setzen die Erfinder der künstlichen Wolke auf das Schneeerlebnis im überschaubaren Rahmen. Dazu genügt ein kleiner Hang mit geringer Neigung. Die Wolke versorgt diesen permanent mit Neuschnee.

Kinder können dort mit Skiern, Rodeln oder einfach nur Iglu bauend das Gefühl vom Spielen im echten Schnee kennenlernen. Für Jugendliche sind im Neuschneepark kleinere Obstacles, ähnlich wie in einem Funpark, geplant. Zudem könne man im Neuschnee problemlos selbst Schanzen bauen, ohne Hilfe einer Pistenraupe. Und Erwachsenen wird neben dem Wintererlebnis auch Wissensvermittlung zum Thema Schnee geboten.

Derzeit laufen die Gespräche mit Skigebieten, wo der erste Neuschneepark 2017 entstehen wird. Die technischen Voraussetzungen zum Einsatz der künstlichen Wolke sind denkbar einfach – ein handelsüblicher Gartenschlauchanschluss mit zwei Bar Wasserdruck sowie ein 270-Volt-Stromanschluss genügen, und schon kann man es schneien lassen. (ars, 30.12.2016)

  • Derzeit wird die künstliche Wolke in Obergurgl getestet.
    foto: neuschnee gmbh

    Derzeit wird die künstliche Wolke in Obergurgl getestet.

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