Zahl arbeitsloser Flüchtlinge hat stark zugenommen

29. Dezember 2016, 17:33
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Die Zahl arbeitsloser Flüchtlinge ist heuer um mehr als ein Viertel gestiegen. Das AMS ist trotzdem nicht alarmiert

Wien – Die Lage für Flüchtlinge am österreichischen Arbeitsmarkt ist schwierig. Heuer sei die Arbeitslosigkeit unter Konventionsflüchtlingen (Personen, die volles Asyl erhalten haben) und subsidiär Schutzberechtigten (die wegen Verfolgungsgefahr nicht abgeschoben werden können) um mehr als ein Viertel angestiegen. Das meldet der Österreichische Integrationsfonds (ÖIF) am Donnerstag.

Der starke Zuwachs gehe auf die vielen Flüchtlinge zurück, die 2015 nach Österreich gekommen seien und erst nach und nach anerkannt würden, heißt es beim österreichischen Arbeitsmarktservice (AMS).

Insgesamt waren laut dem auf Eurostat-Daten zurückgehenden ÖIF-Jahresrückblick im November 27.686 anerkannte Flüchtlinge und subsidiär Schutzberechtigte in Österreich arbeitslos gemeldet oder befanden sich in einer Schulung. Beide Gruppen machten 6,5 Prozent aller Arbeitssuchenden in Österreich aus. Die meisten arbeitslosen Flüchtlinge waren Syrer, gefolgt von Afghanen und Russen.

Der Sprecher des AMS Österreich, Ernst Haider, zeigte sich positiv überrascht: "Wir haben mit mehr als 30.000 Personen gerechnet." Tatsächlich bekamen bis Ende November 19.660 Menschen Asyl und 2.947 Personen subsidiären Schutz zugesprochen. Sobald ein Flüchtling in Österreich Asyl oder subsidiären Schutz erhält, hat er vollen Zugang zum Arbeitsmarkt – und damit auch Anspruch auf alle Leistungen des AMS. Infolgedessen kann er auch die Mindestsicherung beantragen. "Flüchtlinge sind am Arbeitsmarkt schwierig zu vermitteln", sagt Haider. Das liege in erste Linie daran, dass die meisten nicht über ausreichende Deutschkenntnisse verfügen würden. Deutschkurse müssten deshalb der erste Integrationsschritt sein.

Mehr Deutschkurse

Für anerkannte Flüchtlinge und subsidiär Schutzberechtigte ist das Deutschkursangebot zuletzt umfangreicher geworden. Im heurigen September startete die Förderung für die mit dem Startpaket Deutsch und Integration im April von der Regierung beschlossenen 20.000 Kursplätze durch den ÖIF. Darüber hinaus bestehe auch die Möglichkeit der Individualförderung, sagt dort eine Sprecherin: "Etwa für Flüchtlinge, die abseits von Kursstandorten in abgelegenen Gegenden leben."

Ein Teil dieser Kursplätze soll via Innenministerium auch Asylwerbern zugutekommen, doch laut Herbert Langthaler vom NGO-Zusammenschluss Asylkoordination ist dies in der Praxis bisher nur sehr bedingt der Fall. Im neuen Integrationspaket, das zwischen ÖVP und SPÖ bisher nicht finalisiert wurde, sind für 2017 jedoch 27 Millionen Euro aus Mitteln des Innenministeriums sowie Mitteln der Bundesländer für Asylwerberkurse vorgesehen.

Laut Langthaler ist Deutschlernen allein für erfolgreiche Integration am Arbeitsmarkt aber zu wenig. "Wichtig wären zum Beispiel Praktika, die den Arbeitsrhythmus eines 30-Stunden-Jobs nachvollziehen", meint er. Auf diese Art könnten Flüchtlinge mittelfristig in qualifizierte Jobs vermittelt werden, "statt sie in Hilfstätigkeiten abzuschieben".

Hohes Bildungsniveau

Viele Flüchtlinge brächten recht gute Qualifikationen mit, sagt Langthaler – etwa jene aus Syrien. Das AMS führt seit 2016 "Kompetenzchecks" durch. Bei diesen sollen die Fähigkeiten und Qualifikationen der Flüchtlinge ermittelt werden.

Auch das Wiener Wittgenstein-Zentrum hat im vergangenen Jahr das Bildungsniveau von mehr als 500 Flüchtlingen erhoben. Die Ergebnisse der Studie decken sich mit den Aussagen der Asylkoordination: 23 Prozent der befragten Flüchtlinge hatten einen tertiären Bildungsabschluss (Matura oder mehr), jeder Fünfte hatte die Schuloberstufe abgeschlossen. Rund sechs Prozent gaben an, noch nie in der Schule gewesen zu sein. Syrer und Iraker schnitten besonders gut ab. (bri, lauf, 30.12.2016)

  • Flüchtlinge sollen so rasch wie möglich Deutsch lernen, um einen Job zu finden, heißt es.  Berater würden sich darüber hinaus Praktika wünschen, um die Neuankömmlinge zu qualifizieren.
    foto: ap/andreas arnold

    Flüchtlinge sollen so rasch wie möglich Deutsch lernen, um einen Job zu finden, heißt es. Berater würden sich darüber hinaus Praktika wünschen, um die Neuankömmlinge zu qualifizieren.

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