Bezirk Wien-Umgebung ist bald Geschichte

30. Dezember 2016, 07:00
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Niederösterreich umfasst im neuen Jahr nur noch 20 Bezirke – Manchem fällt der Abschied vom Autokennzeichen "WU" schwer

Sankt Pölten / Wien – Eine höchst außergewöhnliche Verwaltungseinheit besteht ab 1. Jänner 2017 nicht mehr: der Bezirk Wien-Umgebung (WU). Er umfasst drei Gebiete, die an die Bundeshauptstadt grenzen, einander aber gar nicht berühren: die Region um Schwechat im Südosten Wiens, um Gerasdorf im Nordosten sowie um Klosterneuburg und Purkersdorf im (Nord-)Westen. In der Zeit des Nationalsozialismus hatten die Gebiete zu "Groß-Wien" gehört, 1954 wurden sie zu dem niederösterreichischen Bezirk.

Dessen Auflösung hatte die ÖVP samt SPÖ im Herbst 2015 beschlossen. Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) rechnet mit Einsparungen von jährlich zwei Millionen Euro. Der Sitz der Bezirkshauptmannschaft (BH) Wien-Umgebung war in Klosterneuburg. Die 27.000-Einwohner-Stadt gehört künftig zum Bezirk Tulln und erhält eine Außenstelle der BH Tulln. Die Stadt kaufte das Gebäude der bisherigen BH, in dem die Außenstelle bleibt und künftig – im Laufe des Jahres 2018 – auch das Rathaus Platz finden soll.

grafik: apa/standard

Klosterneuburgs Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager (ÖVP) forderte seit Bekanntwerden der Bezirksauflösung ein eigenes Autokennzeichen für seine Stadt. Seine Kritik lautete: "Wir können tausende Artikel im Supermarkt kennzeichnen, da können wir die Klosterneuburger nicht einfach zu Tullnern machen." Aus dem identitätsstiftenden Taferl wurde aber nichts.

WUnschkennzeichen

Schmuckenschlager beantragte für sich dieser Tage noch ein mit "WU" beginnendes Wunschkennzeichen. "Ich habe noch 15 Jahre das Recht, das zu führen", sagte er dem STANDARD. "Wer weiß, was bis dahin geschieht?" Er sehe derzeit viele neue Wunschkennzeichen und glaubt an einen Boom.

Weitere bisherige Außenstellen der BH Wien-Umgebung bleiben erhalten und werden Außensitze der künftig zuständigen Bezirksbehörden: In Purkersdorf entsteht also eine BH-Außenstelle des nun bis Wien reichenden Bezirks Sankt Pölten, in Schwechat eine von Bruck an der Leitha, in Gerasdorf eine der BH Korneuburg. Jene in der Wiener Herrengasse bestehende Außenstelle von Wien-Umgebung bleibt erhalten und gehört künftig formal zur BH Tulln.

"Alles planmäßig"

Bei nun notwendigen Adaptierungen und Übersiedlungen laufe alles planmäßig, sagte der Bezirkshauptmann des in Auflösung begriffenen Bezirks, Andreas Strobl, dem STANDARD. Er selbst sei künftig der Landtagsdirektion zugeteilt, Gespräche über seine berufliche Zukunft seien im Laufen.

Im Zuge der Umstrukturierung lösen sich auch Bezirksparteiorganisationen auf. Für Jänner sind Bezirksparteitage mit Vorstandswahlen geplant. Zudem ändert sich beim Arbeitsmarktservice die Sprengelzuteilung: Zum Beispiel müssen Gerasdorfer Arbeitssuchende statt zum AMS Mistelbach künftig laut Kurier zum AMS Korneuburg. Auch beim Roten Kreuz und bei der Feuerwehr ändern sich Strukturen. Die Bürger sollen davon aber nichts bemerken. (Gudrun Springer, 30.12.2016)

  • Die Bezirkshauptmannschaft Wien-Umgebung saß in diesem Gebäude in Klosterneuburg, wo künftig eine Außenstelle der BH Tulln ist – und wohin 2018 auch das Rathaus ziehen soll.
    foto: stadtgemeinde klosterneuburg

    Die Bezirkshauptmannschaft Wien-Umgebung saß in diesem Gebäude in Klosterneuburg, wo künftig eine Außenstelle der BH Tulln ist – und wohin 2018 auch das Rathaus ziehen soll.

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