Dornteufel, die stacheligen Ganzkörper-Strohhalme Australiens

1. Jänner 2017, 10:21
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Die Echsen nehmen Wasser über ihre Körperoberfläche auf und leiten es zum Mund. Eine neue Studie zeigt, dass sie sogar aus feuchtem Sand "trinken"

Aachen – Auf den ersten Blick erkennt man sie kaum, so gut sind sie optisch an ihren Lebensraum in Australiens Trockengebieten angepasst. Doch sieht man genauer hin, erscheinen die Dornteufel fast außerirdisch: Farblich oft an die jeweilige Farbe ihres heimatlichen Untergrunds angepasst, sind diese kleinen Agamen komplett mit dornenartigen Stacheln bedeckt.

Die stachelige Tarnung der Dornteufel ist außergewöhnlich, ihre Ernährungsweise ist geradezu faszinierend. Die Tiere sind ausschließlich auf das Fressen von Ameisen spezialisiert, von denen sie täglich Hunderte erbeuten. Im Lauf der Evolution haben sich ihre Zungen so gut an diese Einheitskost angepasst, dass sie zum Trinken unbrauchbar geworden sind.

foto: imago stock&people
Ein Dornteufel (Moloch horridus) im australischen Northern Territory.

Zielgerichteter Wasserfilm

Also setzen die Echsen auf eine andere Strategie zur Wasseraufnahme: Sie setzen ihren Körper als Strohhalm ein. Besser gesagt sammeln sie Wasser mit ihrer gesamten Körperoberfläche auf, ehe es durch eine spezielle Struktur auf der Haut zwischen den Schuppen zum Mund geleitet und schließlich getrunken wird. Das funktioniert, da die Mikrostruktur ihrer Schuppen stark hydrophil ist und das Wasser in kleinsten Rillen mittels Kapillarkraft ans Ziel läuft. Aufgenommen wird es aus der Umgebung – sei es aus Tau, Nebel oder dem seltenen Regen im australischen Outback.

"Es ist ziemlich cool, diesen Echsen zuzusehen, wie sie einfach nur dastehen und plötzlich anfangen, Wasser zu schlucken", sagt Philipp Comanns. Der Forscher der Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen hat gemeinsam mit australischen Kollegen kürzlich eine Studie zum Thema im "Journal of Experimental Biology" veröffentlicht. Sie fanden unter anderem heraus, dass Dornteufel Wasser auch aus feuchtem Sand aufnehmen können. In Experimenten zeigte sich zudem, dass die Tiere bei Wasserkontakt binnen zehn Sekunden mit dem Trinken beginnen. (red, 1. 1. 2017)

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