Meistgelesen 2016: Amokläufe, FPÖ-Pläne und ein glimpfliches Erdbeben

Ansichtssache30. Dezember 2016, 16:12
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Zum Jahresabschluss werfen wir einen Blick zurück auf jene Geschichten aus dem Panorama-Ressort, die heuer bei Ihnen die meiste Aufmerksamkeit generierten

Berücksichtigt wurden Themen aus der internationalen und österreichischen Chronik mit mehr als 100.000 Visits, also Besuchen auf den Artikelseiten; hier aufsteigend sortiert nach den Zugriffszahlen mit Stand 29. Dezember 2016. (mcmt)

foto: apa/dietmar mathis fotografie

Platz 12 (100.254 Visits)
Vorarlberg: 27-Jähriger erschoss bei Amoklauf zwei Männer

In der Nacht auf 22. Mai ging ein Besucher eines Vorarlberger Festivals zu seinem Auto, holte zwei automatische Maschinengewehre aus dem Kofferraum und begann in die Menge zu schießen. Der 27-Jährige, der in der Neonazi-Szene aktiv gewesen war und gegen den Waffenverbot bestand, tötete zwei Menschen und verletzte zwölf weitere schwer. Nach der Tat in Nenzing blieben viele Fragen offen. Einen anfangs kolportierten Beziehungsstreit schloss die Polizei nach den Ermittlungen als Motiv aus. Der Vorarlberger erschoss sich noch am Tatort.

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foto: klemenshorvath.com

Platz 11 (105.975 Visits)
Urheberrechte verletzt: Wiener Fotograf klagt auf Millionensumme

2011 engagierte die Accor-Group den Wiener Fotografen Klemens Horvath, um stilvolle Aufnahmen des vom Unternehmen betriebenen Luxushotels Sofitel zu machen. Das Nutzungsrecht für sieben Bilder trat Horvath gegen ein Honorar von 4.200 Euro an die Gruppe ab. Fünf Jahre später stieß er zufällig auf eines der Bilder in einer Schweizer Zeitung – und begann zu recherchieren: Die Fotos wurden hunderte Male unberechtigt verwendet, auch auf Titelseiten angesehener Magazine. Accor bietet 750 Euro Vergütung, Horvath aber klagt auf über eine Million Euro.

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foto: apa/herbert p. oczeret

Platz 10 (107.610 Visits)
Frau in Wien-Ottakring mit Eisenstange getötet

2016 verloren tragischerweise mehrere Menschen ihr Leben durch brutale Attacken mit Eisenstangen. Bereits im Februar starben in Leonding zwei Menschen nach einem solchen Angriff, und im Dezember erlag eine Kärntnerin ihren so zugefügten Verletzungen. Die Tat eines Obdachlosen an einer Passantin am Wiener Brunnenmarkt im Mai sorgte allerdings für größeres Aufsehen; die FPÖ stellte eine dringliche Anfrage an den Justizminister, die Polizei richtete eine Sonderkommission ein. Der aus Kenia stammende Täter wurde im November in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen.

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foto: apa/afp/raul arboleda

Platz 9 (107.973 Visits)
Flugzeug mit Fußballteam in Kolumbien abgestürzt: Sechs Überlebende

Laut Aviation Safety Network kamen heuer 325 Menschen bei 18 Unfällen im zivilen Flugbetrieb ums Leben. Obwohl es damit das drittsicherste Jahr seit 1945 war, machten die Abstürze fassungslos – vor allem jener mit den meisten Toten: Die Chartermaschine auf Flug LMI2933 mit der Fußballmannschaft des brasilianischen Copa-Sudamericana-Finalisten Chapecoense an Bord stürzte am 28. November nach mehreren Warteschleifen nahe dem Flughafen José María Córdova (Kolumbien) wegen Treibstoffmangels ab. 71 der 77 Insassen starben.

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foto: apa/robert jaeger

Platz 8 (123.171 Visits)
Erstes Geständnis nach Vergewaltigung am Praterstern

Eine türkische Austauschstudentin suchte in der Nacht auf 22. April eine öffentliche Toilette am Bahnhof Wien-Praterstern auf. Drei betrunkene Jugendliche folgten ihr, öffneten die Kabine mit einer Münze und vergewaltigten sie laut Anklage der Reihe nach. Die 16 und 17 Jahre alten Verdächtigen wurden noch in der Tatnacht festgenommen. Zu Prozessbeginn Anfang Dezember bekannten sich die drei Afghanen schuldig, Reue zeigten sie nicht wirklich. "Manchmal spüre ich gar nicht, dass ich lebe", schrieb das Opfer in einem Brief. Der Prozess wurde auf 31. Jänner 2017 vertagt.

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foto: apa/afp

Platz 7 (138.988 Visits)
Egypt-Air-Flugzeug über Mittelmeer abgestürzt

In der Nacht auf 19. Mai verschwand Egypt-Air-Flug MS804 über dem Mittelmeer von den Radarschirmen. In Paris gestartet, kam der Airbus A320 nie an seinem Ziel Kairo an; die Trümmer wurden schließlich zwischen Kreta und Alexandria gefunden. Bis heute ist die Absturzursache ungeklärt. Französische Behörden zweifelten Sprengstoffspuren an, die ägyptische Ermittler gefunden haben wollen. Zu einem möglichen Anschlag gab es kein Bekenntnis einer Terrorgruppe. Als ziviles Luftfahrtunglück eingestuft handelt es sich mit 66 Toten um das zweitschlimmste des Jahres.

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foto: apa/roland schlager

Platz 6 (141.804 Visits)
Erdbeben der Stärke 4,2 im Osten Österreichs

Erdbeben mit einer Magnitude zwischen vier und fünf sind global gesehen nicht ungewöhnlich. Rund 12.500 solcher Erdstöße registrierten die internationalen Erdbebenwarten heuer. In Österreich freilich sind wir in der glücklichen Lage, dass schon Beben solcher Ausmaße mit relativ glimpflichen Folgen als Ausnahmefall empfunden werden. Laut ZAMG sind "leichte Schäden, wie etwa Risse im Verputz, bei dieser Stärke möglich." Verletzt wurde bei dem Beben am 25. April mit Epizentrum bei Alland, Niederösterreich, niemand.

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foto: apa/dpa/ina fassbender

Platz 5 (141.929 Visits)
Immer mehr Anzeigen wegen Übergriffen in Köln – Zahl der Täter unbekannt

Zu Silvester 2015 kam es beim Hauptbahnhof und dem Dom in Köln zu zahlreichen sexuellen Übergriffen. Junge Männer vor allem aus dem arabischen und dem nordafrikanischen Raum bedrängten feiernde Frauen. Am Neujahrstag twitterte die Polizei noch "Ausgelassene Stimmung – Feiern weitgehend friedlich". Bis 4. Jänner gingen 60 Anzeigen ein, wonach sich die Berichterstattung international ausweitete. Die Zahl der Anzeigen stieg auf 1.054, davon drei wegen Vergewaltigung. Auch in anderen Städten kam es zu Übergriffen. Für Silvester 2016 stockte die Polizei die Präsenz auf.

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foto: apa/herbert p.oczeret

Platz 4 (203.247 Visits)
Tödlicher Raubüberfall in Wien: Zweiter Verdächtiger gefasst

Am 2. Juli ließ sich ein bewaffneter 49-Jähriger in einen Supermarkt in Wien-Penzing einsperren. Um 18.10 Uhr löste er den stillen Alarm aus, woraufhin eine Streife Nachschau hielt. Als die beiden Polizisten eintrafen, schoss der Bosnier auf sie, traf einen Beamten in den Bauch, den zweiten in den Kopf. Der 23-jährige Beamte starb an den Kopfverletzungen. Der ebenso angeschossene Räuber wurde auf der Flucht nach erneutem Schusswechsel von der Wega getötet. Ein 63-jähriger Österreicher wurde als mutmaßlicher Komplize in U-Haft genommen, im August aber entlassen.

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foto: apa/afp/dpa/daniel karmann

Platz 3 (211.894 Visits)
Ansbach: Handyvideo deutet auf islamistisches Motiv hin

Ehe sich die Hintergründe lichteten und der Vorfall am 25. Juli im bayrischen Ansbach als Terroranschlag auf die Außenpolitik-Seiten wechselte, war das Motiv des 27-jährigen Täters unklar. Der Syrer, der in psychiatrischer Behandlung war und Kontakte zur Terrormiliz "Islamischer Staat" gehabt haben soll, zündete vor einem Musikfestival eine Splitterbombe im Rucksack. Die Tat gilt als erster islamistischer Selbstmordanschlag in Deutschland. Dass neben 15 Verletzten niemand getötet wurde, verhinderte wohl nur, dass der Täter nicht auf das Festivalgelände gelangte.

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foto: reuters/dominic ebenbichler

Platz 2 (251.373 Visits)
Die Pläne der FPÖ für Lesben und Schwule

In ihrem Blog schreibt STANDARD-Redakteurin Irene Brickner über "Menschenrechte – und wie sie vielfach ignoriert werden". Am 28. April schaute sie sich näher an, "welche gesellschaftlichen Veränderungen ins Haus stehen, sollte die FPÖ einmal ungehindert können, wie sie will". (Der Blogeintrag erschien wenige Tage nach Norbert Hofers "Sie werden sich noch wundern"-Catchphrase.) Irene Brickner ortete die Gefahr von Zweiklassenfamilien, zitierte Sager über "anatürliche Elternschaft" und analysierte die freiheitliche Ablehnung einer rechtlichen Absicherung homosexueller Paare.

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foto: sven hoppe/dpa

Platz 1 (505.173 Visits)
18-Jähriger erschoss in München neun Menschen

22. Juli, der fünfte Jahrestag der Anschläge des Rechtsextremisten Anders Breivik in Norwegen: Vielerorts wird der Opfer gedacht, in München aber eröffnet ein 18-Jähriger das Feuer auf Besucher eines Fast-Food-Restaurants. Neun Menschen starben. Der Münchner mit iranischen Wurzeln wählte seine Opfer offenbar nach Ähnlichkeit zu missliebigen Mitschülern mit Migrationshintergrund. Laut Medien gab er an, "einen Riesenhass auf Ausländer", zu haben und rühmte sich, seinen Geburtstag mit Adolf Hitler zu teilen. Er tötete sich in Tatortnähe.

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