Wie der Maulwurf zum Kraftlackel werden konnte

30. Dezember 2016, 12:05
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Internationales Forscherteam analysierte die genetischen Grundlagen der Anpassung an eine grabende Lebensweise

Berlin – Sich Tag für Tag durch festen Erdboden zu graben, stellt den Körper vor eine Herausforderung. Maulwürfe haben daher sehr robuste Arme und Beine mit ausgeprägten Muskelansatzstellen entwickelt. Welche genetischen Veränderungen dafür notwendig waren, berichtet das Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung in Berlin.

Die Untersuchung

Forscher des Instituts haben zusammen mit Kollegen aus der Schweiz, Spanien und den Niederlanden herausgefunden, dass Hox-Gene bei der Entwicklung der skelettalen Veränderungen mitspielen. Anhand des Iberischen Maulwurfs (Talpa occidentalis), eines nahen Verwandten der bei uns heimischen Maulwurfart, untersuchten sie die vier entwicklungsbiologisch relevanten Gene HoxA9, HoxD9, HoxD11 und HoxD13. Von diesen ist bekannt, dass sie in traditionellen Modellorganismen Einfluss auf die Arm- und Beinentwicklung nehmen.

"Im Vergleich mit der Maus, welche diese spezifischen Arme und Beine nicht hat, sehen wir andere Expressionsmuster in den untersuchten Hox-Genen", sagt die Berliner Forscherin Constanze Bickelmann, die Leiterin der Studie. Diese Muster gehen einher mit skelettalen Veränderungen in Ober- und Unterarm sowie Unterbein im Maulwurf. Ferner gibt es Expressionsunterschiede in den sich entwickelnden Regionen von Humerus (Oberarmknochen) und Radius im Vorderarm und des verschmolzenen Tibia-Fibula-Komplexes (Schienbein/Wadenbein) im Hinterbein.

Kaum bekannte Verwandte

Die Forscher sind sich sicher, eine Verbindung zwischen der Genexpression und der Jahrmillionen alten ökologischen Spezialisierung der Maulwürfe auf eine grabende Lebensweise gefunden zu haben. Sie hoffen, in Zukunft Vergleiche mit anderen Tieren machen zu können, die dem Maulwurf evolutionär gesehen näher stehen als Mäuse – etwa mit den wenig bekannten Spitzmausmaulwürfen (Uropsilus) aus Ostasien. Diese sind nahe mit unserem Maulwurf verwandt, weisen aber einen entscheidenden Unterschied auf: Sie leben oberirdisch. (red, 30. 12. 2016)

  • Muss sich täglich abrackern: der Maulwurf.
    foto: apa/dpa

    Muss sich täglich abrackern: der Maulwurf.

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