China drängt Vatikan offenbar zu Zugeständnissen

29. Dezember 2016, 12:12
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Pekinger Religionsamt-Chef Zou-an fordert für eine mögliche Einigung eine "pragmatischere und flexiblere Haltung" aus Rom

Frankfurt am Main – Chinas oberster Religionsfunktionär verlangt vom Vatikan mehr Zugeständnisse, wenn es zu einer Einigung zwischen Rom und Peking kommen soll. Peking sei bereit, mit dem Vatikan konstruktive Gespräche zu führen, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" laut Kathpress.

Der Vatikan müsse aber eine pragmatischere und flexiblere Haltung zeigen, sagte der Leiter des Staatlichen Religionsamts, Wang Zou-an, bei der ersten Konferenz der offiziellen und regierungstreuen katholischen Kirche in Peking seit sechs Jahren.

An der bis Donnerstag dauernden Tagung nehmen Bischöfe und Kirchenvertreter aus ganz China teil. Sie sollen sechs Millionen Katholiken repräsentieren. Der Konferenz gilt besondere Aufmerksamkeit, da es in letzter Zeit vermehrt Nachrichten über eine bevorstehende Einigung zwischen dem Vatikan und Peking über die Frage von Bischofsernennungen gegeben hat. Die letzte Konferenz der chinesischen Kirche war vom Vatikan noch als nicht den Regeln der Kirche entsprechend kritisiert worden.

Zahlreiche Verhandlungsrunden

In einer vorsichtig positiven Stellungnahme des Vatikan hatte es kurz vor Weihnachten geheißen, die Katholiken in China erwarteten von der Konferenz ein Zeichen, das ihnen Vertrauen in den Dialog zwischen dem Vatikan und den chinesischen Behörden sowie Hoffnung auf eine Zukunft in Einheit und Harmonie geben würde.

Seit Papst Franziskus seine Absicht bekundet hat, die Beziehungen zu China zu verbessern, hat es mehrere Verhandlungsrunden zwischen dem Vatikan und Peking gegeben. Einige Bischofsernennungen in jüngster Zeit waren sowohl vom Papst als auch von der chinesischen Regierung genehmigt worden. Dies galt als Anzeichen einer möglichen bevorstehenden Einigung. China verlangt vom Vatikan, die diplomatischen Beziehungen zu Taiwan abzubrechen. Umstritten ist die Zukunft der sogenannten Untergrundkirche, deren Gläubige dem Papst die Treue halten und die ihre eigenen Bischöfe und Priester hat. Sie werden von der chinesischen Regierung als "illegal" bezeichnet.

Keine Beziehungen

Der Vatikan und China unterhalten seit 1951 keine offiziellen Beziehungen. Die Katholiken sind seitdem in zwei Gruppen gespalten, die regimetreue "Patriotische Vereinigung" und die romtreue Untergrundkirche. Letztere ist staatlichen Repressalien ausgesetzt. Nach offiziellen Angaben zählt die katholische Kirche in China 5,7 Millionen Mitglieder, nach inoffiziellen Angaben etwa zwölf Millionen.

Die Ernennung von Bischöfen ist seit langem zentraler Streitpunkt. Der Vatikan beansprucht das Recht, Bischöfe frei zu bestimmen. China lehnt dies als Einmischung in innere Angelegenheiten ab. Die Regierung besteht auf einer umfassenden Kontrolle über die katholische Kirche. Nach längerer Unterbrechung wurden Bischöfe seit 2007 in der Regel in Abstimmung zwischen Vatikan und Regierungsbehörden geweiht. Seit 2011 kehrte Peking aber immer wieder zur alten Praxis zurück und ernannte Bischöfe ohne römische Genehmigung. (APA, 29.12.2016)

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