Zahl der Grippekranken dürfte bis Mitte Jänner ansteigen

28. Dezember 2016, 16:36
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Rund 11.400 neu an Grippe bzw. grippalen Infekten Erkrankte allein vorige Woche in Wien – Epidemie fing diesmal früh an

Wien – Nach zwei, drei Tagen ahnte Kollege H., dass er diesmal wohl "die echte Grippe hatte". Das Fieber wollte einfach nicht sinken. Die Influenza hatte H. in der Woche vor Weihnachten ins Bett gezwungen – und nicht nur ihn: Allein in Wien erkrankten in jener Woche rund 9.000 Personen an Grippe oder grippalen Infekten. Die Tendenz geht deutlich nach oben: Vorige Woche wurden bereits 11.400 Neuerkrankungen registriert – bei einer Schwankungsbreite von 1.450 Fällen. Das gab der Grippemeldedienst der Stadt Wien am Mittwoch bekannt. In Graz geht man von etwa 2.000 Neuerkrankungen aus.

Seit der Woche vor Weihnachten ist im Land also die Grippewelle voll ausgebrochen, wie das Department für Virologie an der Medizinischen Universität Wien (Med-Uni Wien) mitteilte, das diese Einstufung trifft. Die Kategorisierung fußt auf der Zahl der Neuerkrankungen an Grippe beziehungsweise grippalen Infekten sowie auf der Zunahme von Influenzavirusnachweisen in klinischen Proben. Mehrere Ärzte schicken diese Proben ein, für die Nasen-Rachen-Abstriche entnommen wurden.

"Früher als die letzten Jahre"

Was auffällt: Heuer brach die Grippewelle im Vergleich zu den Vorjahren etwa einen Monat früher aus. "Es ist früher als die letzten Jahre, aber das kam schon immer wieder vor", sagt Elisabeth Puchhammer vom Department für Virologie von der Med-Uni Wien. Diese Grippewelle werde wohl Mitte Jänner ihren Höhepunkt erreichen. Vorigen Winter war es erst Mitte Februar so weit.

In den meisten Proben habe das Virologie-Department den Influenzatyp A(H3N2) nachgewiesen. Gegen diesen sollte auch die diesjährige Grippeimpfung helfen. Wie gut, hängt aber davon ab, ob das Virus sich verändert hat und, wenn ja, wie sehr. Untersuchungen dazu sind laut Puchhammer noch im Laufen.

Medikamente und Impfung

Wenn bei jemandem innerhalb der ersten 24 bis 48 Stunden die Grippe als solche erkannt wird, kann man mit der Einnahme der Medikamente Tamiflu oder Relenza entgegenwirken, wie der Wiener Allgemeinmediziner Norbert Jachimowicz sagt. Das könne den Verlauf abschwächen. Auch die Grippeimpfung, zu der im Grunde im Herbst aufgerufen wird, sei für Gesunde jetzt noch sinnvoll, sagt Jachimowicz.

grafik: apa

Zur Grippeimpfung rät auch Puchhammer: "Das macht noch Sinn, da die Epidemie in der Regel acht Wochen dauert und die Impfung nach zehn bis 14 Tagen wirkt." Vorbeugend empfiehlt die Medizinerin, die Hände oft und gut zu waschen, da etwa über das Händeschütteln leicht Tröpfchen mit Viren übertragen werden können und man sich oft ins Gesicht greift. Übrigens schwirren derzeit auch andere Viren herum: Noroviren zum Beispiel.

Unterschiedlich aggressiv

Der Verlauf der Grippewelle lässt sich noch nicht abschätzen, sondern dann erst rückblickend betrachten. Laut Berechnungen von Wiener Virologen und der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages) starben 2014/15 rund 3.000 Menschen infolge einer Grippe. Im Winter davor wurden gar keine Todesfälle damit in Zusammenhang gebracht, im Winter 2012/13 wiederum 1.500. Diese Zahl schwankt offenbar stark.

Bis zu 400.000 Menschen erkranken laut Ursula Wiedermann-Schmidt, Leiterin des Instituts für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin der Med-Uni Wien, pro Jahr in Österreich im Rahmen von Influenzaepidemien. Aktuell liegt der Höchststand an wöchentlichen Neuerkrankungen in Wien noch deutlich unter der Spitze des Vorjahres, die mit 14.000 Fällen erreicht war. Insgesamt gab es über fünf Wochen lang mehr Neuerkrankungen als vorige Woche. (Gudrun Springer, 28.12.2016)

  • Bei Influenza ist Schnupfen eher eine seltene Begleiterscheinung, Gliederschmerzen und hohes Fieber deuten öfter darauf hin. Auch trockener Husten ist eine häufiger auftretendes Symptom.
    foto: getty/istockphoto

    Bei Influenza ist Schnupfen eher eine seltene Begleiterscheinung, Gliederschmerzen und hohes Fieber deuten öfter darauf hin. Auch trockener Husten ist eine häufiger auftretendes Symptom.

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