Was den Tibetmastiff zum Hund für extreme Höhenlagen macht

6. Jänner 2017, 10:00
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Verblüffende Parallele: Hunderasse zeigt Anzeichen für ähnlichen Genfluss wie die Menschen Tibets

Peking – Über 60 Zentimeter lang, 60 Kilogramm schwer und von einem wolligen Fell umhüllt, sind Do Khyis – auch Tibetmastiffs oder Tibetdoggen genannt – ein beeindruckender Anblick. Und erzielen noch beeindruckendere Preise: In China, wo für besonders schöne Exemplare schon Millionensummen hingeblättert wurden, gelten sie als Statussymbole. In ihrer Heimat sind sie ebenso schlichte wie nützliche Dorfhunde.

foto: apa/epa/ren jf
"Bärig" wie ein Bernhardiner und mindestens genauso gebirgstauglich: ein Do Khyi.

Markenzeichen des Do Khyi: Der flauschige Goliath kommt mit extremen Höhenlagen besonders gut zurecht und bleibt auch in der dünnen Luft ausdauernd. Eine chinesische Forschergruppe um die Evolutionsbiologen Zhen Wang and Yixue Li glaubt nun die dafür verantwortlichen Gene gefunden zu haben.

foto: reuters/srdjan zivulovic
Die Rasse ist aus einer Liaison von Haushunden und Wölfen hervorgegangen.

Wie sie im Fachmagazin "Molecular Biology and Evolution" berichten, konnten sie genetische Abweichungen von anderen Haushunden an den beiden Genloci EPAS1 und HBB feststellen. Die Ursache: Bei der Besiedlung des Tibetischen Hochlands durch den Menschen seien Mongolische Wölfe (Canis lupus chanco) in das Erbgut der mitgebrachten Flachlandhunde eingekreuzt worden und hätten so deren Erbgut nachhaltig verändert.

foto: ap
In China gelten Do Khyis heute als Statussymbole.

Wenn diese Ergebnisse stimmen, handelt es sich um eine faszinierende Parallele: Denn auch dem Menschen soll durch Genfluss von einer verwandten Art bei der Besiedlung des Hochlands geholfen worden sein. 2014 veröffentlichte eine internationale Forschergruppe in "Nature" eine Studie, derzufolge die Bewohner Tibets eine Variante eines Gens aufweisen, die auch im Genom des ausgestorbenen Denisova-Menschen gefunden wurde.

Dies führte zur Hypothese, dass sich Denisova-Menschen in Zentralasien mit Homo sapiens vermischt haben könnten. Und auch in diesem Fall betraf die genetische Veränderung einen Teil des Erbguts, der das Leben in großer Höhe erleichtert: wiederum das Gen EPAS1, das an der Reaktion des Körpers auf den Sauerstoffgehalt entscheidend mitbeteiligt ist.

Sowohl der Mensch als auch sein treuester Begleiter hätten demnach durch genetischen Import die gleiche Entwicklung vollzogen. Sogar in der Evolutionsbiologie kann sich die Geschichte wiederholen, schließen die Forscher. (jdo, 6. 1. 2017)

  • Unter sehr viel Fell stecken hier ordentlich Muskeln und ein treues Herz.
    foto: reuters/stringer

    Unter sehr viel Fell stecken hier ordentlich Muskeln und ein treues Herz.

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