Betrug: Buddhistische Mönche verlangten Geld für gute Tat

28. Dezember 2016, 14:33
83 Postings

Zwei Chinesen sollen in Salzburg Spender um ihr Wechselgeld betrogen haben – Zehn Monate teilbedingte Haft

Salzburg – "Ich bin als Tourist unterwegs. Zum Sightseeing", sagte der 50-jährige Erstangeklagte aus China, übersetzt von einer Dolmetscherin. Richter Christian Hochhauser fragt: "Warum haben Sie dann hunderte Amulette mit?" – "Ich wollte sie an Chinesen verschenken."

Doch der buddhistische Mönch hat die Amulette laut Zeugen nicht nur verschenkt. Deshalb mussten sich der Mann und ein 39-jähriger Chinese, der auch angab, ein buddhistischer Mönch zu sein, am Mittwoch am Salzburger Landesgericht wegen Betrugs verantworten. Ihnen wird vorgeworfen, Geldspenden für Amulette und Glücksbringer verlangt und Spender um ihr Wechselgeld betrogen zu haben. Die beiden Chinesen bestreiten die Vorwürfe.

Papier mit Spendern für den Tempel

"Ich habe ein Papier, wo ich meine guten Taten vermerke. Das ist für den Tempel bestimmt", erklärt der Mönch. Wenn ihn jemand um Frieden bitte, dann schreibe er den Namen, die Adresse und den Wunsch des Menschen auf. "Das bringe ich zum Tempel und vollbringe eine gute Tat", schilderte der 50-Jährige. Auf Nachfrage sagte er, darauf werde auch festgeschrieben, wie viel Geld gespendet wurde.

"Wie viel haben Sie verdient?", fragt Richter Hochhauser. "Ich bin als Tourist hier und habe nichts verdient." Mehrmals beteuerten die Männer, sie hätten das bei ihnen aufgefundene Geld von China mitgebracht, würden einander auch nicht wirklich kennen und können auch kein Englisch.

Nahm sich beim "Change" 30 anstatt fünf Euro

Das erzählte eine Zeugin anders. Sie sei in der Salzburger Altstadt auf Englisch um eine Spende gebeten worden, nachdem der 50-Jährige ihr und ihrer Tochter je ein Amulett in die Hand gedrückt habe. Sie habe fünf Euro geben wollen, aber nur einen 50er mitgehabt, der Mann habe "Change" gesagt, und sie habe ihm den 50er gegeben. "Er gab nur 20 Euro zurück und sei dann davon", sagte die 38-Jährige. "Ich war so perplex." Daraufhin ging sie zur Polizei.

Viele Zeugen haben sich daraufhin gemeldet. Aber nur ein Teil der beobachteten Taten konnte aufgrund der Zeitspannen den angeklagten Mönchen zugeordnet werden. "Die meisten Zeugen konnten sie nicht eindeutig identifizieren. Das ist ein bekanntes Problem bei Interpol", sagte Hochhauser. Interpol Wiesbaden habe angegeben, dass die beiden auch in Deutschland als Bettelmönche bekannt sind. Der 39-Jährige sei zudem schon 2014 und 2015 in Deutschland mit Ordnungswidrigkeiten aufgefallen.

Abt in Frankreich war schon nach China gereist

Der 39-jährige Chinese erklärte Richter Christian Hochhauser, dass er die Amulette überhaupt nicht an Europäer weitergegeben habe, sondern nur an Chinesen. Er verstehe kein Englisch. Die vielen Amulette habe er mitgehabt, da er sie zu einem buddhistischen Tempel in Frankreich habe bringen wollen, der Abt sei bei seiner Ankunft aber bereits nach China abgereist gewesen, weshalb er die Amulette wieder mitgenommen habe.

Den 50-Jährigen habe er in Wien kennengelernt. Ein Hotelzimmer hätten sie sich geteilt, weil zu der Zeit alle Zimmer in Salzburg ausgebucht gewesen seien. "Bei Ihnen sind auch viele Fremdwährungen sichergestellt worden", konstatierte der Richter. Der 39-Jährige antwortete: "Ich sammle Fremdwährungen als Souvenir."

Richter Christian Hochhauser sprach die beiden Mönche schuldig. Die Männer wurden zu zehn Monaten Haft, zwei davon unbedingt, verurteilt. Die zwei Monate haben die Chinesen in der U-Haft schon abgesessen. Das Urteil ist rechtskräftig. (Stefanie Ruep, 28.12.2016)

Share if you care.