Künstliche Ultraschall-Schreie sollen Wale von Fischernetzen fernhalten

6. Jänner 2017, 12:00
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"Heulboje" regt die Echoortung der Tiere an, was sie die Gefahr eher erkennen lässt

Braunschweig – Vor Walfängern müssen Schweinswale in der Ostsee keine Angst haben. Zur (ungewollten) Bedrohung werden aber Fischer: Immer wieder geraten die zweieinhalb Meter langen Vewandten der Delfine in Stellnetze, die sie mit ihrem akustischen Orientierungssinn oft nicht rechtzeitig wahrnehmen können. Verheddern sie sich in den Netzen, können sie ertrinken.

Um den langfristigen Erhalt der Art nicht zu gefährden, sollten nicht mehr als ein Prozent der Population auf diese qualvolle Art zu Tode kommen. Nach verschiedenen Schätzungen sterben jedoch zwischen 1,8 und 18 Prozent der Tiere in Netzen, berichtet das Braunschweiger Johann Heinrich von Thünen-Institut.

Auf der richtigen Frequenz

Ein neues, vom Institut in Kooperation mit mehreren Unternehmen entwickeltes Warngerät könne die Todesrate aber stark senken. Das PAL ("Porpoise ALert") genannte Gerät erzeugt naturgetreue Kommunikationssignale und regt die Echoortung der Tiere an. Das unterscheidet PAL von bislang eingesetzten akustischen "Vergrämern", sogenannten Pingern, die störende Geräusche aussenden. Pinger können Schweinswale aber auch weiträumig von ihren natürlichen Lebens- und Nahrungsgründen fernhalten. Die schreckhaften Tiere verringern außerdem die Intensität ihrer Echoortung, wenn sie Pinger hören, was den Beifang in benachbarten Netzen erhöhen kann.

PAL hingegen imitiert die Warnlaute der Tiere auf der Frequenz von 133 kHz: Das ist die Frequenz, die Schweinswale für Ultraschallorientierung und Kommunikation nutzen. Freilandversuche zeigen, dass die Kleinwale darauf mit einer verstärkten Echoortungsaktivität reagieren. Dies ermöglicht es den Tieren, die gefährlichen Netze rechtzeitig wahrzunehmen. Dabei erhöhen sie den Mindestabstand zur Schallquelle nur um rund 20 Meter – sie werden also nicht aus ihrem Lebensraum vertrieben.

Mehrjährige Feldversuche

Die PAL-Geräte wurden seit 2014 in der professionellen dänischen und deutschen Stellnetzfischerei in der westlichen Ostsee getestet und konnten bereits dabei erfolgreich zur Beifangverringerung beitragen. Bei jedem Versuch wurden gleichzeitig jeweils zwei gleich lange Netze ausgebracht. Nur eines war mit PAL ausgerüstet, das andere, herkömmliche Netz diente als Kontrolle.

Insgesamt wurden in mehr als 900 Einsätzen 21 Schweinswale beigefangen: drei in PAL-Netzen – im Vergleich zu 18 in den Kontrollnetzen. Die Forscher sind sich also sicher, dass das Gerät in der Ostsee erfolgreich zur Minimierung des Schweinswalbeifangs eingesetzt werden kann. (red)

  • Ein Schweinswal auf lebensgefährlichem Kurs.
    foto: boris culik

    Ein Schweinswal auf lebensgefährlichem Kurs.

  • Der PAL (links im Bild) und andere Geräte zum "Vergrämen" von Walen.
    foto: boris culik

    Der PAL (links im Bild) und andere Geräte zum "Vergrämen" von Walen.

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