Shiffrin räumt am Semmering erneut ab

28. Dezember 2016, 11:25
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US-Amerikanerin gewinnt auch den zweiten Riesentorlauf am Zauberberg, knapp vor Worley und Rebensburg – Brunner als beste Österreicherin Fünfte, Veith 25.

Semmering – Alexandra Meissnitzer hat es kommen sehen, die ORF-Co-Kommentatorin hatte Mikaela Shiffrin nach ihrem Erfolg vom Vortag wieder ganz oben auf der Rechnung. "Ich traue ihr wieder den Sieg zu, denke aber doch, dass einige dagegen halten werden und es knapper hergehen wird", sagte sie vor dem Start am Mittwoch dem STANDARD. Und so kam es, wie es kommen musste, die US-Amerikanerin holte sich mit ihrem Sieg im zweiten Riesentorlauf am Semmering das Double, wenngleich der Erfolg diesmal wesentlich knapper ausfiel als am Vortag.

Die 21-jährige US-Amerikanerin gewann 15 Hundertstel vor der Französin Tessa Worley und 18 vor der Deutschen Victoria Rebensburg, feierte damit ihren 25 Erfolg im Weltcup, den dritten in einem Riesenslalom und baute die Gesamtführung weiter aus. "I am happy", sagte die strahlende Siegerin. "Wenn ich gute Schwünge schaffe, dann habe ich die Chance zu gewinnen. Der Schlüssel für den Erfolg ist das Selbstvertrauen, vieles ist Kopfsache."

Beste Österreicherin wurde Stephanie Brunner als Fünfte (+0,38), Ricarda Haaser (1,0) als Zehnte und Michaela Kirchgasser (1,39) als Zwölfte rundeten ein wesentlich besseres ÖSV-Ergebnis als am Vortag ab, als Brunner 15. und beste ÖSV-Läuferin war.

Pum: "Riesenschritt von Anna"

Anna Veith (2,68) schaffte in ihrem zweiten Rennen nach Verletzungspause diesmal als 25. mit 1,95 Sekunden Rückstand den Sprung in die Entscheidung und belegte am Ende denselben Rang. "Es war schwierig bei der Sicht, sich zu überwinden und Gas zu geben. Ich bin zu rund gefahren und habe den Ski nicht richtig laufen lassen", resümierte sie. ÖSV-Sportdirektor Hans Pum zeigte sich erfreut und erleichtert: "Das war ein Riesenschritt von Anna."

Das verletzte Knie macht Veith während der Läufe keine Probleme, danach spürt sie aber sehr wohl die Beanspruchung. "Aber es ist wichtig, dass ich Rennen fahre, damit ich wieder nach vorne komme. Es ist schwierig, das umzusetzen, was ich mir vornehme, weil ich auf dem Niveau noch sehr wenig Training hatte. Während der Fahrt denke ich, das Beste zu machen, nachher denke ich mir: warum machst du es nicht besser?" Ihre Eindrücke sind aber durchwegs positiv. "Ich habe das Gefühl, dass sich jeder freut, dass ich wieder da bin. Das freut mich extrem."

Die Piste am Zauberberg war trotz des nächtlichen Schneefalls zunächst in sehr gutem Zustand, ähnlich wie am Vortag. Die erwarteten großen Neuschneemengen blieben vorerst aus, lediglich der teilweise böige Wind im oberen Streckenbereich bereitete einmal mehr Sorgen. Waren die Bedingungen zunächst fair, so war es für die Starterinnen mit höherer Nummer zunehmend schwieriger sich für die Entscheidung zu qualifizieren, zumal der Schneefall immer stärker wurde und sich die Sichtverhältnisse deutlich verschlechterten.

Schneegestöber am Semmering

Der zweite Durchgang stieg dann in dichtem Schneetreiben, die Sichtverhältnisse waren trotz Flutlichts sehr bescheiden. Um sich aufwändige Schneeräumarbeiten auf der Piste zu ersparen, wurde der zweite Lauf sehr ähnlich wie der erste gesetzt, die Läuferinnen hatten mit den Elementen zu kämpfen, am Ende setzten sich die Besten durch.

Über die aktuell Beste schwärmt auch Meissnitzer: "Bei Mikaela überrascht mich gar nichts, sie ist ähnlich wie Marcel Hirscher, ein Ausnahmetalent, ein Wunderkind. "Ihr sagst du etwas, und sie setzt das sofort um, das ist eine Gabe. Davor habe ich Respekt. Sie ist talentiert Ende nie."

Voll des Lobes ist sie für Brunner: "Man darf nicht vergessen, dass es erst ihre zweite Saison ist. Sie fährt für mich einen extrem coolen Schwung mit viel Risiko und extremer Schräglage. Aber man muss ihr noch Zeit geben".

Österreichs derzeit Beste in der Disziplin gesteht, sich nicht zu viele Gedanken zu machen: "Ich versuche einfach, die Linie beizubehalten". Nach ihren guten Saisonleistungen mit den Plätzen vier in Sölden und acht in Sestriere macht sie sich keinen Druck, denkt noch nicht an das Podest: "Ich lasse mich einfach überraschen."

Am Donnerstag steigt am Zauberberg noch ein Slalom (15 und 18 Uhr) unter Flutlicht. Favoritin ist wieder Shiffrin und Meissnitzer hat sie wieder auf der Rechnung. (Thomas Hirner aus Semmering, 28.12.2016)

  • Mikaela Shiffrin kurvte zum Doppelsieg am Semmering.
    foto: ap/tacca

    Mikaela Shiffrin kurvte zum Doppelsieg am Semmering.

  • Artikelbild
    foto: apa/pucher
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