Registrierkassen bringen weniger als erhofft

28. Dezember 2016, 08:44
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Betrugsexperte Schneider rechnet heuer mit 80 bis 120 Millionen Euro Mehreinnahmen – Der Finanzminister erhoffte ursprünglich 900

Wien – Die seit Mai geltende Registrierkassenpflicht, die Steuerhinterziehung erschweren soll, bringt offenbar weniger als erhofft. Das Finanzministerium hat heuer 900 Millionen Euro Mehreinnahmen erwartet. Der Linzer Betrugsexperte Friedrich Schneider hält das für "überhaupt nicht realistisch". Er rechnet mit nur 80 bis 120 Millionen Euro, wie er am Mittwoch im "Morgenjournal" des ORF sagte.

Selbst wenn alle Anlaufschwierigkeiten überwunden seien, dürften die Mehreinnahmen maximal 250 bis 300 Millionen Euro im Jahr betragen. Grundsätzlich sei die Registrierkassenpflicht aber eine gute Sache, so der Universitätsprofessor der Johannes-Kepler-Universität Linz.

Keine genaue Prognose

Das Finanzministerium ist mit Zahlen mittlerweile vorsichtig. Auf Anfrage des ORF gab man keine genaue Prognose mehr über die Mehreinnahmen ab. Insgesamt sei aber heuer mehr Geld durch die Mehrwertsteuer (MwSt.) hereingekommen, nämlich 830 Millionen Euro von Jänner bis Oktober. Wie viel davon den Registrierkassen zu verdanken war, könne man nicht herauslesen.

Auf die heimischen Unternehmer, die von der Registrierkassenpflicht erfasst sind, kommt ab 1. April 2017 noch eine Neuerung zu: eine verpflichtende Sicherheitseinrichtung für die Kassen. Dafür braucht es spezielle Signaturkarten – und die Herstellerfirmen haben Lieferschwierigkeiten. Die Wirtschaftskammer (WKÖ) fordert daher, dass die Frist noch einmal bis Ende 2017 ausgeweitet wird, wie Iris Thalbauer, Geschäftsführerin der WKÖ-Bundessparte Handel, in dem Radiobeitrag sagte. Anfang Jänner werde man mit dem Finanzministerium deswegen in Kontakt treten.

"Beim Manipulationsschutz geht es darum, dass jeder Beleg elektronisch signiert werden muss", erklärte Thalbauer. Bis Ende November 2016 habe es noch rechtlich unklare Formulierungen gegeben, und erst im Dezember habe tatsächlich mit der Umstellung begonnen werden können. Bis April gehe sich das daher "sicher nicht aus", weil bei jeder Kassa die Verschlüsselungseinheit eingebaut werden müsse. Das bedeute einen "enormen logistischen und auch zeitlichen Aufwand", so die Handelsvertreterin. (APA, 28.12.2016)

  • Registrierkassa (Symbolbild).
    foto: apa/roland schlager

    Registrierkassa (Symbolbild).

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