Streaming: Warum DVDs und Blu-rays unverzichtbar bleiben

28. Dezember 2016, 09:03
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Die Silberscheiben bleiben hinsichtlich Bildqualität und Verfügbarkeit überlegen

DVDs und Blu-rays kommen langsam aus der Mode. Wirft man einen Blick auf die Top-Ten-Verkäufe des taktgebenden US-Marktes, so scheinen dort sowohl das alte als auch das neue Format ihren Zenit überschritten zu haben. Eine Entwicklung, der Europa bald folgen dürfte. Die Zukunft der neuen UltraHD-Blu-ray (UHD-BR) erscheint ungewiss.

Gleichzeitig steigen die Umsätze der Videostreaminganbieter, allen voran Netflix und Amazon, Jahr um Jahr deutlich an. Beide investieren immer mehr Geld in hochwertige Eigenproduktionen, um für Kunden attraktiver und gegenüber den etablierten Filmstudios und der komplexen Urheberrechtslage unabhängiger zu werden.

Trotz dieser Vorzeichen bleiben die Silberscheiben unverzichtbar, argumentiert nun Autor Peter Suderman bei "Vox". Denn sie verfügen über Vorteile, die Streamingangebote zumindest vorerst oder auch gar nicht überbieten können.

Bessere Bildqualität

Da wäre etwa die Bildqualität – ein Argument, das vor allem für die Blu-ray und UHD-Blu-ray sticht. Diese bedienen aktuelle Full-HD-Bildschirme beziehungsweise ihre 4K-tauglichen Nachfolger nicht nur in ihrer nativen Auflösung, sondern auch, ohne Kompromisse machen zu müssen. Wo von der Scheibe das Filmmaterial in höchster Qualität aufs Display kommt, müssen beim Streaming Kompromisse gemacht werden.

Denn nur die wenigsten User haben Internetleitungen, über die 1080p-Videos oder gar 2160p-Material unkomprimiert übertragen werden könnten. Also müssen Tricks angewandt werden, damit Bewegtbild in dieser Auflösung ohne nervige Unterbrechungen über das Netz wiedergegeben werden kann.

Und das geht nur über die Reduktion der Information von Bild und Ton. Vereinfacht erklärt: Kompressionsverfahren setzen etwa darauf, benachbarte Pixel sehr ähnlicher Farben zusammenzufassen. Aus zwei feinen Rot-Nuancen wird so etwa eine einfarbige Fläche. Dies wird mittlerweile so geschickt gemacht, dass viele dieser Einsparungen auf den ersten Blick nicht auffallen. Geübte Seher bemerken den Unterschied aber durchaus. Und in bestimmten Szenen, oft etwa bei schnellen Actionsequenzen, wird er auch für den "Normalseher" sichtbar.

Immer verfügbar

In mehrfacher Hinsicht punkten die Scheiben auch bei der Verfügbarkeit, sofern man sie gut organisiert und geschützt aufbewahrt. Trotz des Ausbaus der Eigenproduktionen sind die Streaminganbieter längst noch nicht unabhängig von Hollywood. Das bedeutet, dass mit dem Auslaufen von Lizenzverträgen regelmäßig auch wieder Serien und Filme aus dem Angebot verschwinden. Ein physikalischer Datenträger bleibt erhalten.

Noch drastischer zeigt sich dieser Vorteil, wenn es mit der Internetverbindung einmal nicht so hinhaut. Sinkt die Bandbreite zu stark, kompensieren Netflix und Co unter anderem mit der Reduktion der Auflösung – zu merken ist dies daran, dass das eben noch scharfe Bild plötzlich pixelig bis matschig erscheint.

Reißt die Verbindung komplett ab, war es das auch mit dem gestreamten Filmvergnügen, sofern man das jeweilige Werk nicht vorab heruntergeladen hat. Diese Funktion bietet beispielsweise Netflix seit kurzem an, sie ist jedoch quantitativ wie qualitativ limitiert. Die Anzahl der auf einmal vorladbaren Werke ist ebenso limitiert wie die Katalogauswahl, da hier erneut bei Videomaterial von Drittanbietern das Urheberrecht ins Spiel kommt.

Nischenperspektive

Sudermans Argumente sprechen bei genauerer Betrachtung allerdings nicht für eine Renaissance der Scheiben, sondern für ihren Bestand in der Nische. Viele Nutzer schauen Filme und Serienfolgen kaum öfter als ein Mal an, was die Anschaffung auf DVD oder Blu-ray nicht besonders verlockend macht – zumal Netflix und Amazon für ein Monatsabo nicht mehr verlangen als den ungefähren Preis eines aktuelleren Films auf einer Scheibe.

Durchaus Sinn ergibt die Anschaffung der "Silberlinge" jedoch für Werke, die man in sein Herz geschlossen hat und sich immer wieder einmal ansehen will. So entsteht mit der Zeit eine kleine, feine und persönliche Sammlung, auf die man stets für den Heimkinoabend zurückgreifen kann, wenn der Internetzugang einmal wieder nicht so arbeitet, wie er soll. (gpi, 28.12.2016)

  • Eine gut gepflegte Scheibensammlung bleibt wohl auch im Streaming-Zeitalter unverzichtbar.
    foto: reuters

    Eine gut gepflegte Scheibensammlung bleibt wohl auch im Streaming-Zeitalter unverzichtbar.

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