Armeepilotin: Afghanistans Vorzeigefrau hat in den USA einen Asylantrag gestellt

27. Dezember 2016, 18:04
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Niloofar Rahmani, die erste Flugzeugpilotin in der afghanischen Armee, möchte nicht mehr in die Heimat zurück

Vor kurzem noch war Niloofar Rahmani ein Symbol für die Freiheit afghanischer Frauen nach dem Ende der islamistischen Taliban-Herrschaft. Nun könnte sie zum Symbol dafür werden, dass es mit dieser neuen Freiheit vielleicht doch nicht so weit her ist, wie man gerne glauben möchte: Die 25-jährige Armeepilotin, die gerade ein 15 Monate langes Training in Florida, Texas und Arkansas absolviert hat, soll in den USA um Asyl angesucht haben. Am Dienstag gab es darüber zwar einige Verwirrung, Rahmanis amerikanische Anwältin bestätigte das Asylgesuch aber umgehend.

Rahmani war zehn Jahre alt, als die USA 2001 das Taliban-Regime in Afghanistan stürzten. Später, als Teenager, war sie begeistert von der Emanzipation der Frauen im Land, die sogar Türen in klassische Männerdomänen öffnete. Bereits mit 18 trat sie, unterstützt von ihren Eltern, in die Luftwaffe ein und ließ sich zur Pilotin ausbilden. "Das war immer mein Traum", erzählte sie stolz. Nur zwei Jahre später flog sie allein eine Cessna 182. Rahmani gab sich damit nicht zufrieden, lernte weiter und erwarb bald auch die Lizenz zum Fliegen größerer Militärfrachtflugzeuge.

Fotostrecken mit Fliegeroverall

Ein Star war geboren. Als erste Armeeflugzeugpilotin ihres Landes geriet Rahmani auch international in den Fokus der Medien. Fotostrecken zeigten sie mit Pilotenbrille, lässig getragenem Kopftuch und engem Fliegeroverall – zum Attribut "schönste Pilotin der Welt" war es da nicht mehr weit.

Doch diese Medaille hatte freilich auch eine Kehrseite: Rahmani und ihre Familie erhielten zahlreiche Todesdrohungen – von den nach wie vor aktiven Anhängern der Taliban und sogar von entfernteren Verwandten. Die Familie wurde extrem vorsichtig, zog in Afghanistan mehrfach um. 2015 erhielt Rahmani vom US-Außenministerium den Woman of Courage Award. First Lady Michelle Obama persönlich lobte ihren Mut, trotz allem weiterzumachen.

Kein Verständnis von Vorgesetzten

In Afghanistan weitermachen will Rahmani nun aber nicht mehr. "Die Dinge dort" würden nicht besser, selbst ihre männlichen Kollegen in der afghanischen Luftwaffe würden sie schlecht behandeln. Alles gelogen, sagen ihre dortigen Vorgesetzten. Doch Rahmani denkt an jene fünf Flughafenarbeiterinnen, die Mitte Dezember in Südafghanistan ermordet wurden, und an angebliche Reaktionen einiger Abgeordneter, die sie danach vernommen hatte: Die Frauen hätten eben zu Hause bleiben sollen, dort wären sie sicher gewesen. (Gerald Schubert, 27.12.2016)

  • Militärpilotin  Niloofar Rahmani möchte in den USA bleiben.
    foto: afp / snah marai

    Militärpilotin Niloofar Rahmani möchte in den USA bleiben.

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