Google erspart sich durch Steuertricks weitere Milliarden

27. Dezember 2016, 17:20
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Mutterkonzern Alphabet umgeht Abgaben durch Schlupflöcher und die Flucht in Steueroasen. Auch Apple macht sich Steuertricksereien zunutze

Wien – Alphabet, der Mutterkonzern von Google, soll sich 2015 Steuern in der Höhe von 3,6 Milliarden Dollar (3,4 Milliarden Euro) durch Tricksereien erspart haben. Das Unternehmen hat laut einem Bericht der niederländischen Aufsichtsbehörde 14,9 Milliarden Euro über eine Tochterfirma in den Niederlanden auf Konten auf den Bermudas verschoben, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf die niederländische Zeitung "Het Financieele Dagblad".

Google soll Gewinne zwischen Irland und den Niederlanden bewegt haben, um Abgaben zu vermeiden. Der Trick, den der Internetriese dabei angewandt hat, wird "Double Irish" mit einem "Dutch Sandwich" genannt. Dabei sind eine Briefkastenfirma mit Sitz in einer Steueroase wie den Bermudas, zwei Töchter in Irland und eine in den Niederlanden involviert. Teile der Gewinne, die Google im Ausland erwirtschaftet, werden als Lizenzgebühren an eine irische Tochter gezahlt. Diese überweist das Geld an die niederländische Google Holdings BV, da ein Abkommen zwischen Irland und den Niederlanden Lizenzgebühren von Steuern befreit. Die niederländische Tochter schickt den Betrag an die zweite irische Sandwichhälfte zurück und muss dafür, da die Transaktion innerhalb der EU stattfindet, keine Steuern bezahlen.

Irische Sandwichhälften mit niederländischer Füllung

Die irische Tochter überweist das Geld anschließend auf das Konto des Mutterkonzerns auf den Bermudas. Durch diese Rochaden kann Google Steuern umgehen, die bei einer direkten Überweisung anfallen würden.

Das Unternehmen nützt die Vorteile des "Dutch Sandwich" seit zwölf Jahren. Der "Double Irish" dürfte jedoch ein aussterbendes Modell sein: Bereits 2015 wurde in Irland beschlossen, dass Gewinne, die innerhalb des Landes erwirtschaftet werden, auch dort zu versteuern sind. Unternehmen, die das Schlupfloch bisher nutzten, wurde eine Übergangsfrist bis 2020 eingeräumt. Der Inselstaat versuchte in der Vergangenheit, ausländische Konzerne durch einen niedrigen Unternehmenssteuersatz von 12,5 Prozent anzulocken.

Indonesien setzt Ultimatum

Die Steuertricksereien von Google machen auch außerhalb Europas Schlagzeilen: Die indonesische Regierung hat Google bis Jahresende eine Frist gesetzt, um versäumte Abgaben zurückzuzahlen. Der Konzern würde dem Staat Steuern und Strafzahlungen in der Höhe von rund 400 Millionen Dollar schulden, errechnete das indonesische Finanzministerium.

Google ist nicht der einzige Großkonzern, der sich Schlupflöcher und Briefkastenfirmen in Steueroasen zunutze macht. Die EU-Kommission forderte Apple im August dazu auf, Steuernachzahlungen von 13 Milliarden Euro zu leisten. Vergangene Woche veröffentlichte die Kommission dazu einen Bericht. Sie wirft dem Unternehmen vor, durch Sonderdeals in Irland Steuern vermieden und so den Wettbewerb verzerrt zu haben. Apple will gegen die Forderung vor Gericht ziehen.

Außerdem wirft die Kommission Irland vor, mit den Vereinbarungen illegale staatliche Beihilfe geleistet zu haben. Der Inselstaat befürchtet, dadurch für ausländische Konzerne künftig weniger attraktiv zu werden, und wehrt sich gegen die Entscheidung. Die EU würde sich in nationale Steuerhoheiten einmischen, lautet die Begründung. (Bloomberg, lauf, 27.12.2016)

  • Die Gewinne von Google landen mit Umwegen in Steueroasen.
    foto: apa/josh edelson

    Die Gewinne von Google landen mit Umwegen in Steueroasen.

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