SPÖ-Bildungssprecherin für Sozialindex im Regierungsprogramm

27. Dezember 2016, 15:26
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Wenn viele Kinder mit Migrationshintergrund eine Schule besuchen, soll sie mehr Geld bekommen, sagt Grossmann

Wien – Die SPÖ-Bildungssprecherin schlägt vor, das aktuelle Regierungsprogramm um einen Sozialindex für Schulen zu erweitern. Für Elisabeth Grossmann geht die Debatte um eine andere Art der Finanzierung von Schulen in der Bildungspolitik derzeit unter. "Das Regierungsprogramm war ein Minimalkonsens, der kann übertroffen werden", sagt Grossmann im Gespräch mit dem STANDARD.

Beim Sozialindex – innerhalb der SPÖ wird er auch "Chancenindex" genannt – bekommen Schulen mehr Geld, wenn viele Schüler Migrationshintergrund haben oder wenn der Bildungsabschluss der Eltern niedrig ist. Derzeit wird das Schulbudget hauptsächlich über eine Verhältniszahl von Lehrern pro Schüler vergeben. Extrageld gibt es für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf und für solche mit fehlenden Deutschkenntnissen.

Indexpunkte für Benachteiligung

Schon seit Jahren liegt im Bildungsministerium zum Thema Sozialindex ein fertiges Konzept des Soziologen Johann Bacher. Demzufolge hätte eine Schule ohne Kinder mit Benachteiligungen den Index 100. Zusätzliche Indexpunkte und damit mehr Geld bekämen Schulen, wenn ihre Schüler durch Bildungsstand, Beruf oder Migrationshintergrund der Eltern sowie durch die Umgangssprache zu Hause benachteiligt sind. Eine Benachteiligung aller Schüler in einem Faktor würde 25 Prozent mehr Geld bringen. Auch die OECD empfiehlt Österreich in der aktuellen Pisa-Studie einen Sozialindex. Die Chancengleichheit soll so erhöht werden.

Kein Geld

Gescheitert ist der Sozialindex bisher am fehlenden Geld. SPÖ-Bildungssprecherin Grossmann betont, dass durch eine neue Art der Finanzierung keinen Schulen Geld weggenommen werden darf: "Ich will keine Neiddebatte." Wie viel zusätzliches Geld für eine Reform nötig wäre, kann sie nicht sagen. "Dazu müsste man gemeinsam mit den Ländern Kalkulationen erstellen."

Bildungsministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ) hat bei ihrem Amtsantritt den "Chancenindex" als erstes politisches Ziel genannt. Umgesetzt hat sie ihn aber genauso wenig wie ihre Vorgängerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ). Getestet wird diese Art der Schulfinanzierung derzeit aber bei der Verteilung des zusätzlichen Geldes für Integration.

Testlauf bei Kindergärten geplant

Grossmann ist optimistisch, dass der Sozialindex bald umgesetzt werden kann. Neben dem Testlauf beim Integrationsbudget gibt es ähnliche Pläne für die Kindergärten. Im Zuge eines "aufgabenorientierten Finanzausgleichs" soll sich die Verteilung des Geldes nicht mehr an der Einwohnerzahl von Ländern und Gemeinden orientieren, sondern an bestimmten Kriterien wie die Anzahl der Kinder, die Öffnungszeiten, die Gruppengröße, aber auch den Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund.

"Diesen Schwung könnte man auch für die Schulen nutzen", sagt Grossmann. Zudem habe Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) Bildung als eines der wichtigsten Themen für die Regierung genannt – "und die ÖVP trägt das mit". Wenn die Regierungsspitze im Jänner das Regierungsprogramm aktualisiert, dann solle in jedem Fall auch der Sozialindex ein Teil davon sein, sagt Grossmann. (Lisa Kogelnik, 27.12.2016)

  • SPÖ-Bildungssprecherin Elisabeth Grossmann schlägt vor, den "Schwung zu nutzen".
    foto: apa/schlager

    SPÖ-Bildungssprecherin Elisabeth Grossmann schlägt vor, den "Schwung zu nutzen".

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